Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
559
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2000. Heft 4

Literatur der Volkskunde

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Vorstellung über ihn.... Körperhaltung und-ausdruck dürften ebenso in dieWahrnehmung eingeflossen sein. In einer selbstsicheren Erscheinungerkennt sich das soziale Umfeld gerne wieder."

Es sind die Nahtstellen zwischen Gestalt und Gestaltung, äußerem Aus-druck und innerer Haltung, Öffentlichkeit und Privatheit, die dieses Buchüber den regionalen Ansatzpunkt hinaus so interessant machen. Weil diewörtliche Wiedergabe der Zitate im Dialekt erfolgt, hilft die Autorin mitZusammenfassungen. Im Hauptteil ,, Hochzeitskleidung und Lebensge-schichte" verknüpft Helga Hager Aspekte wie ,, Das Kleid der langen Dau-er- und die Leib- und Zeiterfahrung, Das autonome Kleid- und dieeheliche Macht, Die unverletzliche Kleidung- und die Heirat als Wie-dergeburt".

Im dritten Kapitel behandelt sie Sexualität und Körperlichkeit. DieFrauen erzählten ihr darüber häufig aus einer Außenperspektive, worin sichbereits ein wesentlicher Aspekt weiblicher Leiberfahrung andeutet: ,,..., s'hat g'hoiße, des g'hört dazu... Man habe gewußt, dass das auf einen, zukomme*. In dieser Metapher erscheint der eigene Leib als abwartend undpassiv, der männliche hingegen als aktiv und handelnd, schreibt die For-scherin. Solche Aussagen klingen befremdlich, aber die Bäuerinnen derälteren Generation hatten zumindest noch einen Vorteil. Bei der Arbeitwurde ihnen soziale Kompetenz zugesprochen. Sie eigneten sich die Auto-rität des Hofes an- und das machte sie auch in der Wahrnehmung deseigenen Leibes von kulturellen Zuschreibungen unabhängiger. Mit zuneh-mender Umstrukturierung der Landwirtschaft verlor der ,, Schaffkörper" anAutorität. ,, Die Frauen der mittleren und jüngeren Generation, die in denbäuerlichen Bereich heiraten, wissen bereits um eine andere Welt... ihreStellung in der Ehe und in der dörflichen Gesellschaft ist eine schwächereals jene ihrer Mütter", fasst Hager ihre Beobachtungen zusammen.

Helga Maria Wolf

HUGGER, Paul( Hg.): Kind sein in der Schweiz. Eine Kulturgeschichteder frühen Jahre. Basel, Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde, 1998,528 Seiten.

Umschlagtext und Inhaltsverzeichnis machen deutlich, dass mit diesemBand keine im engeren Sinne wissenschaftliche Auseinandersetzung ange-strebt wurde. Vielmehr war das 46köpfige AutorInnenteam um Paul Huggerauf eine Zusammenstellung erster, verständlicher Überblicke zu einer brei-ten Palette von Themen rund um das ,, Kind sein in der Schweiz bedacht.