Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LIV/ 103

Alex Belschan beschäftigt sich mit institutionellen Umwelten wie Wis-senschaft( Schulmedizin), Berufsvertretungen und Gesetzeslage. Die recht-liche Beurteilung geistheilerischer Tätigkeiten wird von Walter Schwartzeingehend referiert: ,, Die, Behandlung von Personen unter Berufung aufmetaphysische Geistwesen bewegt sich in Österreich keineswegs- wie oftbehauptet in einer, Grauzone' oder gar im, rechtsfreien Raum"." Dasösterreichische Recht stellt sie vielmehr unter strenge verwaltungsrechtlicheund gerichtliche Strafdrohungen.

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In den unvereinbaren Positionen des klaren Verbots und der subjektivenÜberzeugung, dass es einem nach alternativen Behandlungsmethoden bes-ser gehe, bleiben die Autoren wohltuend neutral. Wie schon in der ,, Welt derGeistheiler" ergreifen sie weder pro noch contra Partei. Sie vermitteln auchin dieser Arbeit neben fundierter Kenntnis und wissenschaftlicher Redlich-keit große Wertschätzung den Menschen gegenüber, mit denen sie es hierzu tun haben und die ihnen Geheimnisse anvertrauten, von denen diebehandelnden Ärzte nichts wissen. Das alles macht das Buch wertvoll,anregend aber auch sehr nachdenklich stimmend.

Im Schlußkapitel ,, Wie wirklich ist die Wirklichkeit?" geht Obrecht nocheinmal auf die beiden scheinbar fundamental gegensätzlichen Weltbilder,, linear- naturwissenschaftlich und, analog- holistisch ein, zwischen de-nen sich das Forschungsprojekt bewegte. Dieses stieß immer wieder auf dasKonzept der ,, nicht festlegbaren Orte", die sich Menschen selbst schaffen, umsie stets von neuem zu verlassen. ,, So erscheint die Welt diesseits und jenseitsdes Todes als sinnerfüllte Heimat, in der es viele Dimensionen zu erfahren gibt,in der es zu leben, zu leiden, zu gesunden und auch zu sterben lohnt."

Helga Maria Wolf

MADER, Bernd E.: Naturheiler, Zahnreißer und Viehdoktoren. Graz,Verlag Styria, 1999, 198 Seiten, Abb.

Der freundliche Autor des inzwischen zu einiger Bekanntheit gelangtenBuches ,, Der Höllerhansl", dessen Held der des Urins kundige HeilerJohann Reinbacher ist, legt nun ein weiteres spannendes Buch vor. Diesesist in gewisser Weise eine Fortführung des ersten, denn es beschäftigt sichmit noch anderen bäuerlichen Heilern in der Weststeiermark.

Das Material zu diesem Buch beruht auf jahrelangen Feldforschungendes Autors bei Bauern, die dem Flachsanbau galten. Dabei wuchs in dembraven Forscher, einem ehrbaren Apotheker, das Interesse an der altenbäuerlichen Medizin und ihren markanten Vertretern. Bei seinen Gesprä-