Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
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2000, Heft 4

Literatur der Volkskunde

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Diese Darstellung der Geschichte des Lesens schließt historische Längs-schnitte wie Querschnitte mit ein, Zäsuren und Revolutionen wird ebensoAufmerksamkeit geschenkt wie längerfristigen Konstanten und historischenUngleichzeitigkeiten. Die Fähigkeit, wissenschaftliche Debatten und Ansät-ze so darzustellen und in die einzelnen Beiträge einfließen zu lassen, dasssie über ein rein fachwissenschaftliches Publikum hinaus verständlich undinteressant sind, gehört sicherlich zu den zahlreichen Stärken des Bandes.Die durchwegs gute Lesbarkeit der Beiträge schließt eine kritische Ausein-andersetzung mit verschiedenen Thesen und Modellen der historischenLeseforschung nicht aus. So wird etwa der These von der Ablösung desintensiven Lesens durch das extensive Lesen in der zweiten Hälfte des18. Jahrhunderts eine differenziertere Betrachtungsweise entgegengehalten,ebenso wie der häufig üblichen und allzu einfachen Entgegensetzung vonProtestantismus und Katholizismus in ihrer Bedeutung für das Lesen. Aufeine an evolutionistischen Vorstellungen orientierte historische Darstel-lungsweise wird verzichtet zugunsten eines differenzierten Blickes auf dieKomplexität jener vielen unterschiedlichen Aspekte und Faktoren, die dieWelt des Lesens ausmachen.

Insgesamt bietet dieser Sammelband nicht nur einen fundierten und gutlesbaren Überblick über die Geschichte des Lesens, er eignet sich durchaus auchals eine erste Einführung in Fragestellungen und Ansätze der historischenLeseforschung. Durch den steten Blick auf die sich historisch wandelndengesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen des Lesens entsteht einfacettenreiches Bild verschiedener Lesewelten( zum Beispiel jener der gesell-schaftlichen Eliten ebenso wie jener des ,, Volkes oder jener von Frauen ebensowie jener von Männern) und es wird eindrücklich vor Augen geführt, in welchvielfältiger Gestalt sich die Bedeutungen des Lesens manifestieren. Volkskund-lich- kulturwissenschaftlich interessant ist diese Geschichte des Lesens vorallem durch eine allen Beiträgen eigene Betrachtungsweise, die die kulturelleBedeutung des Lesens konsequent in den Mittelpunkt stellt.

Susanne Breuss

DEHNERT, Walter( Hg.): Zoom und Totale. Aspekte eigener und fremderKultur im Film. Marburg, Arbeitskreis für Volkskunde und Kulturwissen-schaften e. V., 1999, 155 Seiten.

Die vorliegende Aufsatzsammlung ist aus einer von Walter Dehnert( seitvielen Jahren mit Belangen des volkskundlich- kulturwissenschaftlichenFilms befasst¹) abgehaltenen Lehrveranstaltung im Rahmen des Frankfurter