2000, Heft 4
Chronik der Volkskunde
527
erreichen, so ist es Felix Karlinger gerade durch diesen sprachlichen undkonzeptionellen Vorzug seiner Studien gelungen, selbst mit fachspezi-fischen Veröffentlichungen eine umfangreiche Leserschaft zu gewinnen.
Felix Karlingers immense Kompetenz als Forscher und Lehrer sicherteihm die Anerkennung und den Respekt der Freunde und Kollegen; sein liebens-würdiges Wesen, seine Selbstlosigkeit und Bescheidenheit machen nun seinenHeimgang für sie zu einem schmerzlichen, unersetzlichen Verlust.
Johann Pögl
Gedenkblatt für Felix Karlinger( 17.3.1920 bis 27.6.2000)Die Besuche von Felix Karlinger in der Laudongasse in der Wiener Josef-stadt sind schon seit längerer Zeit ausgeblieben. Das Wiener Volkskunde-museum konnte sich zu jenen Häusern zählen, in die der Romanist, Volks-kundler und Musikologe viele Jahre hindurch freundschaftlich zuzukehrenpflegte. Seine stille Zurückgezogenheit im Heim der Barmherzigen Brüderim niederösterreichischen Kritzendorf bei Klosterneuburg und die zuneh-menden Beschwernisse und vermehrten gesundheitlichen Beeinträchtigun-gen des Alters haben ihn gezwungen, auf diese beiderseits beliebten persön-lichen Kontakte zu verzichten. Unauslöschlich bleibt die Erinnerung an dieunverwechselbare Silhouette seines Erscheinens in der dunklen Lodenpele-rine des Bayern und mit der schwarzen Baskenmütze des Romanisten; stetshatte er ein verschmitztes Blitzen in den Augen.
Schon in den Tagen seiner frühen Lehrtätigkeit an der Münchner Univer-sität und dann vermehrt aus der geringeren Distanz von Salzburg, wohin er1966 als o. Professor an die Romanistische Lehrkanzel berufen worden war,führte ihn der Weg immer wieder in das Museum zum damaligen DirektorLeopold Schmidt; auch während des nachfolgenden Direktorates bewahrteer dem Museum seine Treue. Es wurde seine Mitarbeit an der von ihmregelmäßig mit Rezensionen versorgten ,, Österreichischen Zeitschrift fürVolkskunde" besprochen. Die Domäne seines Interesses und seiner Zustän-digkeit erstreckte sich dabei auf den weitgespannten Bogen der europäi-schen Romania; seine besondere Zuwendung erfuhren deren ,, Rand- undKleinsprachen", wie es in der Fachsprache heißt, und dort vor allem diepopuläre Narrativistik, die Volkslied- und Volksmusikforschung. Auch wur-den die Absprachen getroffen für die Edition seiner kleinen nachdenklichenAnthologien ,, Zauberschlaf und Entrückung. Zur Problematik des Motivsder Jenseitszeit in der Volksüberlieferung"( 1986) und ,, Heilige Ereignisse-Heilige Zeiten. Weihnachtserzählungen aus der mündlichen Überlieferung"