2000, Heft 4
Chronik der Volkskunde
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Nachruf auf Felix Karlinger
Felix Karlinger, weit über den deutschen Sprachraum hinaus anerkannterRomanist und Volkskundler, ist am 27. Juni 2000, nach langer schwererKrankheit, im achtzigsten Lebensjahr verstorben.
Seine wissenschaftliche Laufbahn begann in München, wo er sich 1959mit einer Abhandlung über das sardische Volkslied habilitierte. Nach mehr-jähriger Lehrtätigkeit an der Universität München wurde er 1967 auf denLehrstuhl für Romanische Philologie an der Universität Salzburg berufen.
Wer sich ein Bild von der herausragenden wissenschaftlichen und publi-zistischen Lebensarbeit des Forschers Felix Karlinger machen will, muß aufdie vor zwanzig Jahren in der ,, Raabser Märchenreihe“ des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde( Bd. 4: Europäische Volksliteratur; Wien 1980)anläßlich seines sechzigsten Geburtstages erschienene Festschrift zurück-greifen. Die darin wiedergegebene Bibliographie listet über dreihundert ausder Feder des Verstorbenen stammende Bücher, Aufsätze und Rezensionenauf. Dies ist jedoch nur ein Teil seines Lebenswerkes. 1980 hatte FelixKarlinger die Universität verlassen und widmete sich seither mit beispiello-ser Schaffenskraft seinen Forschungsgebieten. In den vergangenen zweiDezennien verdoppelte sich die Zahl seiner Veröffentlichungen. Kaum einJahr verging ohne das Erscheinen eines Buches und dazu kamen nochzahlreiche Aufsätze und Buchbesprechungen. Nur wenige Wochen vorseinem Tod ist unter dem Titel ,, Vorgetragen- Nachgelesen"( Wien 2000)sein nun leider endgültig letztes Werk erschienen. Es ist dies eine Anthologievon Vortragsmanuskripten, mit deren Drucklegung das langjährige Wirkendes Verstorbenen als Forscher und Lehrer dokumentiert wird, und derenthematisches Spektrum sein weitgespanntes Erkenntnisinteresse widerspie-gelt. Es ist sicher nicht zu weit gegriffen, hierin ein Vermächtnis FelixKarlingers zu sehen, ein Bekenntnis zum interdisziplinären Untersuchungs-ansatz und zum Methodenpluralismus, die letztlich seine gesamte wissen-schaftliche Arbeit bestimmt haben.
Als Schüler von Rudolf von Ficker begann Felix Karlinger seine For-schungs- und Lehrtätigkeit zunächst im musikwissenschaftlichen Bereich.Sehr bald jedoch erfolgte unter dem Einfluß seiner Lehrer Rudolf Kriss,Gerhard Rohlfs und Hans Rheinfelder die Hinwendung zur Volkskunde undzur Romanischen Philologie. Die Romanistik sollte schließlich das impuls-spendende Fach werden, dem er sowohl aus volkskundlicher Sicht als auchals Sprach- und Literaturwissenschafter sein Hauptaugenmerk schenkte.
In den ersten Jahrzehnten war die wissenschaftliche Arbeit Felix Karlin-gers durch intensive Feldforschung auf dem Gebiet der romanischen Dia-lektologie und Populärliteratur bestimmt. Mit einem tragbaren Tonbandge-