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Chronik der Volkskunde
Regions and Minorities in a Greater Europe
ÖZV LIV/ 103
Summer Academy 2000, Brixen, 4. bis 15. September 2000
Zum zweiten Male beherbergte heuer das Land Südtirol eine internationaleAkademikergruppe aus 26 verschiedenen Ländern, die sich dem Thema desMinderheitenschutzes in Europa widmete. Die buntgemischte Gruppe, be-stehend aus Juristen, Wirtschafts- und Politikwissenschaftlern, Ethnologen,Historikern, UN- und OSZE- Mitarbeitern beschäftigte sich insbesonderemit ethnischen Minderheiten in Fragen europäischer Verwaltungsreform,Osterweiterung, Regionalisierung, Globalisierung und grenzüberschreiten-der Zusammenarbeit.
Von besonderer Bedeutung stellte sich die Hinterfragung historischer undahistorischer Konzepte heraus, die bei Konfliktlösungen insofern eine un-heilvolle Rolle spielen, als ihnen allzu oft die beteiligten regionalen, natio-nalen und internationalen politischen Akteure verhaftet sind.
Ein umfassendes Bild politischer und juridischer Arbeitskonzepte ver-mochte die große Zahl der Referenten zu vermitteln, die direkt an derGestaltung des europäischen Verwaltungsapparates mitwirken. Unter ande-rem konnten der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofes, SiegbertAlber, der Bearbeiter der Europäischen Grundrechtscharta, Andrew Duff,und der ehem. jugoslawische Justizminister, Tibor Várady, als Referentengewonnen werden.
Gemäß der juristischen Ausbildung eines Großteils der Referenten undder geographischen Herkunft der Mehrzahl der Teilnehmer aus den ehema-ligen Ostblockländern, drehte sich die Diskussion in erster Linie um dieErstellung juristischer Richtlinien des Minderheitenschutzes in Osteuropa.Dabei wurde klar, dass die ständigen Verwaltungsreformen innerhalb derEuropäischen Union zu tiefen Erschütterungen überlieferter politischerKonzepte wie etwa staatliche Souveränität, Rechtsstaatlichkeit und Demo-kratie führen. Auf dem Weg zu einer zunehmenden Regionalisierung undeiner Zentralisierung der Kompetenzen in Brüssel, Straßburg und Den Haagentstehen immer wieder neue Verwaltungsgrenzen( Euregio, Euro- Länder,Nato- Länder, Schengen- Länder). Befremdung verursacht u.a. die Tatsache,daẞ Funktionäre, die oft nicht direkt gewählt werden, großen Einfluß auf dieeuropäische Politik ausüben. Dass aber auch der Minderheitenschutz ein inseinem Wesen( Sonderstatus für Gruppen mit parlamentarischer Minder-heit) ein der Demokratie zuwiderlaufendes, dennoch aber unverzichtbares,Unterfangen darstellt, ist den Teilnehmern ebenso klar geworden, wie dieWichtigkeit des Denkens in dynamischen und nicht statischen Dimensionen.Dies gilt für die maßgeblichen Führungskräfte der EU- Länder wie für die