Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
517
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LIV/ 103, Wien 2000, 517–531

Chronik der Volkskunde

EXPO 2000 Hannover

Die Weltausstellung 1. Juni bis 31. Oktober 2000 in DeutschlandDer Österreich- und der Deutschland- Pavillon

Weltausstellungen firmieren unter dem Singular der Superlative: Die Ein-maligkeit dieser Weltausstellung ist es, die Besucherinnen und Besuchermobilisieren soll. Diese Strategie zeitigt Erfolge, wenn auch vielleicht ineinem anderen Sinn als dem ursprünglich gedachten. Es ist wohl vor allemdie Tatsache, daß man und frau die- nimmt man Maß an den Biographieneinmalige Chance nutzen will, eine Weltausstellung sozusagen vor derHaustüre miterleben zu können. Ein merkwürdiger Reiz liegt ja gerade indem Anachronismus einer Ausstellung, in der auf eng begrenztem Raum, aneinem eingezäunten Ort, die Welt zusammengeholt sein soll, dieselbe Welt,die sich in den Alltagen zunehmend globalisiert, also relativ offen undunübersichtlich präsentiert.

Von diesem Präfix ,, Welt- jedenfalls bleiben die wenigsten unbeein-druckt, am allerwenigsten, so scheint mir, diejenigen, die sich professionell,als Betreiber und als Beobachter, mit dieser Weltausstellung befassen.Vielleicht ist es also kein Zufall, daß sich auffallend viele Berichte über dieEXPO in betont subjektiver Sicht- und Schreibweise dem Großen undGanzen, nein: eher dem Detail nähern. Uns allen geht es da wie SiegfriedKracauer, der unter dem Titel ,, Deutsche Bauausstellung. Vorläufige Bemer-kungen in seinem ersten Satz einräumte: Diese riesige Schau, die größteFachausstellung seit Jahren, kann nicht im ganzen überblickt werden, son-dern muß nach und nach durchgearbeitet werden." 1

Nur Vorläufiges und Vorbehaltliches ist es auch, was im folgenden zuerwarten ist. Meine Vorbehalte sind so persönlicher wie auch methodischerArt. Von dem Gefühl, auf dieser EXPO ein bestimmtes Programm ,, durch-arbeiten" zu sollen, konnte ich mich für die gesamte Dauer meines Aufent-haltes nicht befreien. Dazu dürfte auch der erste Eindruck vor dem Einlaẞentscheidend beigetragen haben: Auf die Sekunde genau wurden die Pfortengeöffnet, man schob unter den aufmerksamen Blicken der EXPO- Securityseine Eintrittskarte in den Schlitz und konnte dann den Kontrollpunktpassieren- eine Szenenfolge, die in der Ernsthaftigkeit und Angespanntheit