Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
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Martin Kupf

Die sogenannte Holländische Galerie

des Gartenpalais Schönborn

ÖZV LIV/ 103

Rückblick auf die zwischen 1917 und 1999 stattgefundenenRestaurierungen

Als im Jahre 1917 die damalige Museumsdirektion daranging, das von derStadt Wien dem Verein für Volkskunde für Museumszwecke zur Verfügunggestellte ehemalige Gartenpalais Schönborn für die Präsentation der um-fangreichen Sammlungen des Österreichischen Museums für Volkskunde zuadaptieren, war von der prachtvollen Ausstattung des Hauses, die ehemalsfast den ganzen ersten Stock umfaßte, nicht mehr viel übrig geblieben. Einenvollständigeren Eindruck von der ehemaligen Einrichtung gab nur mehr dasdamalige Direktionszimmer( Abb. 1), das sich beim Vergleich mit der Klei-ner'schen Abbildung unschwer als das ,, Bilder Zimmer von HolländischenMeistern erkennen läßt. Es ist nicht bekannt, warum gerade dieser Raumneben noch zwei vorhandenen Stuckdecken von der schon um 1800 vorge-nommenen radikalen Plünderung des Hauses ausgenommen worden warund auch Zeiten überlebt hat, in denen die Barockarchitektur wenig ge-schätzt worden ist.

Auf jeden Fall war mit dem k.k. Museum für österreichische Volkskundeein Mieter eingezogen, zu dessen( Vereins) zielen die Bewahrung histori-schen Kulturgutes zählte, weshalb der Weiterbestand der Originalausstat-tungsreste gesichert schien. Tatsächlich findet sich im Baubuche aus demJahre 1917, in dem die Adaptierungsarbeiten für das Museum aufgelistetsind, der Hinweis auf ein Gerüst in der Holländischen Galerie, was aufRenovierungsarbeiten an der Decke schließen läßt. Ob und inwieweit Tür-,Fenster- und Wandverkleidungen bei dieser Gelegenheit behandelt wordensind, läßt sich nicht feststellen. Es kann sich jedenfalls nur um geringfügigeMaßnahmen gehandelt haben, da die Mittel so knapp waren, daß nichteinmal die auf Leinwand geklebten aus dem 19. Jahrhundert stammendenPapiertapeten erneuert wurden, die schon damals infolge der im ganzenHause verwendeten Kohlen- und Koksofenheizung ziemlich schmutziggewesen sein mußten.

Überhaupt war die Einzelofenheizung, die später teilweise auf Gasgeräteumgestellt wurde, eine ständige Schmutzquelle, weshalb auch viel häufigerausgemalt werden mußte, als dies heute der Fall ist.'