Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LIV/ 103, Wien 2000, 467-516
Franz Grieshofer zum 60. Geburtstag
Zwischen Attraktion und IrritationMuseumsarbeit in den Neunzigern
Das Museion der Antike als Begeg-nungsstätte der Künste und Wissen-schaften, als Ort des anregenden Ge-dankenaustausches, als Raum in demKreativität und Toleranz walten, hatFranz Grieshofer einmal in einem Vor-wort zu einem Ausstellungskatalog( Werkzeug- Transformationen, Wien1997) auch als für die Gegenwart at-traktiv und passend befunden. Dem istwohl uneingeschränkt zuzustimmen.Die heutige Gesellschaft stellt in derDifferenziertheit ihrer Milieus und derUnterschiedlichkeit der Bildungsvor-stellungen und Wissensideale jedochauch noch andere und erweiterte An-sprüche an ein zeitgemäßes Museum.
Das Museum fungiert als Bindeglied zwischen Vergangenheit und Ge-genwart, nicht ohne den Blick auch in eine imaginierte Zukunft zu richten.Kraft seiner Objektressourcen hat es dafür ein mehr oder weniger geeignetesInstrumentarium zur Verfügung, nur genügt es nicht mehr, dieses statischund wohlgeordnet darzubieten. Dem Deutungsvermögen des heutigenAusstellungsmachers obliegt es, das homogene Material in neue Seh- undSinnzusammenhänge zu stellen und damit neu zu kontextualisieren, unddem heterogenen Bestand stimmige Bilder und Botschaften zu unterlegen,also ihn zu ordnen und verstehbare Welt zu erzeugen.
Als bloẞer Hort von Dingen hat das Museum an Bedeutung eingebüßt.Das gilt umso mehr für kulturgeschichtliche Sammlungen, deren ,, Schätze“oft keinen besonderen materiellen Wert repräsentieren. Gegenwärtig kannes nur mehr dann die Aufmerksamkeit des Publikums erwecken, wenn esden Objekten über den faktischen und funktionellen Zusammenhang hinausSinn zu geben vermag. Der Interpretationsarbeit kommt dabei steigende