Österreichische Zeitschrift für Volkskunde Band LIV/ 103, Wien 2000, 457-466
Wickie und die Online- ErinnerungenVermutungen zu einem 1970er- Jahre- Revival
Christian Rapp
Vor etwa drei Jahren begann eine Gruppe von 30jährigen, sichüber ein E- Mail- Forum an die Kindheit in den 70er Jahren zuerinnern. Aus den gesammelten Mails wurde der Sachbuch-bestseller ,, Wickie, Slime und Paiper", der inzwischen einerganzen Revivalbewegung mit regelmäßigen Clubbings, Ka-barettabenden und anderen Veranstaltungen den Namen gibt.In einigen Skizzen geht der Autor den Fragen nach, was es mitdem Begriff der ,, Online- Erinnerungen" auf sich haben könn-te, warum gerade Kindheitserinnerungen nun die Vorstellun-gen von den 70er Jahren prägen und warum diese in Öster-reich so erfolgreich sind.
―
,, Weiß jemand noch, wer Bobby und Strolchi waren?- Bin ich dieeinzige, die sich an eine klebrige Süßigkeit namens Leckerschmeckererinnert? Kann jemand noch den Faserschmeichler Song singen?"Mit Fragen wie diesen eröffnete vor drei Jahren die JournalistinSusanne Pauser eine Internetnewsgroup im Wiener MailboxsystemBlackbox. Knapp vor ihrem eigenen 30. Geburtstag, so die Legende,wollte Pauser Gleichgesinnte versammeln, die sich mit ihr an dieKindheit in den 1970er Jahren erinnerten, die bereit waren ,, nocheinmal die alten Geschichten aus Kindertagen aufzuwärmen, bevorsie endgültig aus dem Gedächtnis kippen" ¹.
Mittlerweile, wissen wir, sind diese Geschichten nicht nur nichtaus dem Gedächtnis gekippt, sondern sogar mit beispiellosem Erfolgreaktiviert, publiziert, ausgestellt, dramatisiert und bebildert worden.Aus dem Internet- Projekt wurde- zusammen mit Wolfgang Ritschl-eine Rundfunkserie und im Frühjahr 1999 schließlich jenes Buch, daseiner ganzen Bewegung den Namen geben sollte: ,, Wickie, Slime undPaiper“. Über ein halbes Jahr führte das sogenannte„, Online- Erinne-
1 Pauser, Susanne, Wolfgang Ritschl: Wickie, Slime und Paiper- Das Online- Erin-nerungsalbum für die Kinder der siebziger Jahre. Wien- Köln- Weimar 1999, S. 9.