2000, Heft 3
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einzustimmen der Leser aufgefordert wird. Solches Bemühen irritiert undverstellt bisweilen grundlegende, auch anregende Einlassungen zu Begriffund Geschichte des Originals, zum Original als Erzählfigur in der Anekdote.Schanks Studie geht im Schwerpunkt, und das macht sie für Volkskundlerinteressant, auf das Original als Typus und Topos alltäglichen Erzählens ein:Welche Eigenschaften und Handlungen werden einem Original zugeschrie-ben, welche Traditionen des Erzählens über das Original lassen sich imRoman des 18. und 19. Jahrhunderts nachweisen. An diesen Hauptteil desBandes schließt sich ein kürzerer Beispiel- Teil an, in dem Schank nun realexistierende Originale im Hunsrück vorstellt. Da wird es wieder betontheiter. Über die Formen und Motive der( Selbst-) Stilisierung dieser Perso-nen zu regional bekannten und berühmten Originalen erfährt man leiderkaum mehr etwas.( KL)
REHNIG, Jeanne E.: Das„, Photographische Atelier" im Warenhaus.Fotografie bei A. Wertheim( 1898-1933) und Wolf Wertheim( 1909–1914).Text und Bildband(= Veröffentlichungen zur Volkskunde und Kulturge-schichte, 71 u. 72). Würzburg, Bayerische Blätter für Volkskunde, 1999, 463Seiten bzw. 220 s/ w- Abb.
Wer sich mit der Popularisierung des Mediums Fotografie befaßt, der tut gutdaran, sich nicht erst mit den sogenannten Knipsern zu beschäftigen, mitden Amateuren, die und wie diese immer selbstverständlicher bestimmteEreignisse aufnehmen, präsentieren, archivieren. Wer sich für die Logik unddie Entwicklung des fotografischen Blicks interessiert, der sollte sich aberauch nicht nur mit der künstlerischen Avantgarde, sondern vor allem auchmit jenen Berufsfotografen und deren Ateliers auseinandersetzen, wie sieseit der Jahrhundertwende um 1900 von einem zunehmend breiten Publikumfrequentiert wurden. Jeanne Rehnig konzentriert sich mit ihrer Untersu-chung auf einen, für die Stilbildung wesentlichen Zwischenbereich, auf dieAteliers der Wertheim- Warenhäuser in Berllin und auf deren Einfluß auf dieAmateur- Fotografie wurden doch in diesen Warenhäusern gleichzeitig,, fotografische Bedarfsartikel" auch für den Hobby- Fotografen angeboten.In drei Schritten nähert sie sich dem Problem: Ein erstes Kapitel ist denWarenhäusern der Familie Wertheim gewidmet, deren Baugeschichte undderen Funktion als öffentliche Räume im zur Metropole aufsteigendenBerlin, aber auch deren betriebswirtschaftlichen Strategien. Rehnig arbeitethier verschiedenste Materialien ein, Kataloge, Tages- und Fachzeitungen,Baupläne und Geschäftskorrespondenzen. Im Vergleich mit anderen Waren-