Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
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ÖZV LIV/ 103

zentriert sie sich dabei auf Württemberg, wo landwirtschaftliche Hausfrau-envereine Ende der 1920er Jahre als Selbsthilfeeinrichtung genossenschaft-liche Waschküchen mit Elektrogroßgeräten gründeten. Ziel war eine Entla-stung der Frauen von der zeitaufwendigen und kräfteraubenden Waschar-beit. Die gemeinschaftliche Nutzung der Geräte ermöglichte eine technischeAusrüstung, die für den einzelnen Haushalt nicht finanzierbar gewesen wäre.Mit diesen Geräten wurden nun auch die Frauen mit dem ,, technischen Fort-schritt" konfrontiert, denn in der Landwirtschaft galten Investitionen in moder-ne Technik in der Regel der Außenwirtschaft, da diese in den überwiegend klein-und mittelbäuerlichen Betrieben die Existenz sicherte. In der Zwischenkriegs-zeit entstanden in der Folge auch staatlich geförderte Gemeinschaftsbackanla-gen und-waschküchen, was zu einer Beschleunigung der Rationalisierung undTechnisierung der ländlichen Hauswirtschaft führen sollte. Auch im., DrittenReich" erfuhren gemeinschaftliche Wasch- und Backanlagen eine gezielteFörderung. Nach dem Zweiten Weltkrieg erweiterte sich das Angebot anGemeinschaftseinrichtungen um Gefrieranlagen. Mit der technischen Verbes-serung und Verbilligung der Geräte sowie dem Ausbau des Stromnetzes verlo-ren Gemeinschaftsanlagen ca. ab den 1960er/ 1970er Jahren an Bedeutung undes erfolgte eine zunehmende Technisierung der Einzelhaushalte.

Krieg fragt in ihrer Arbeit nach den Akteuren des technischen Innovati-onsprozesses, nach den spezifischen Reaktionen von Männern und Frauen,nach der Vermittlung des notwendigen technischen Wissens und nach denVeränderungen der weiblichen Arbeit durch die Gemeinschaftsanlagen. IhrInteresse richtet sich vor allem auf den kulturellen Wandel, der mit demInnovations- und Modernisierungsprozeß einherging. In theoretischer Hin-sicht stützt sie sich auf das Kommunikations- Innovations- Modell von MaxMatter. Als Quellen dienen ihr archivalische Text- und Bildmaterialien derbeteiligten Institutionen, Organisationen und Firmen. Ergänzend dazu wur-den qualitative Interviews mit Vertretern und Vertreterinnen der involviertenPersonengruppen durchgeführt sowie die Jahrgänge 1917 bis 1972 derZeitschrift ,, Land und Frau ausgewertet.( SB)

RICHARZ, Irmintraut( Hg.): Der Haushalt. Neubewertung in der Post-moderne. Beiträge eines internationalen disziplinübergreifenden Symposi-ons an der Universität Münster vom 12.- 13. März 1997. Göttingen, Vanden-hoeck& Ruprecht Verlag, 1998, 265 Seiten, 35 SW- Abb., 14 Tabellen.

In Zeiten der Globalisierung konnte der private Haushalt eine neu erwachteAufmerksamkeit seitens verschiedener Wissenschaftsdisziplinen auf sich