2000, Heft 3
Literatur der Volkskunde
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renzierung bedürften, wird man als zeitbedingt ansehen und daher akzeptie-ren; schließlich handelt es sich um ein historisches und vor vier Jahrzehntenweitgehend abgeschlossenes Werk. Wer sich nicht darauf beschränkt, denBlick auf die Alpen zu werfen, sondern sich mit Werden und Entwicklungdes Lebens in den Alpen( nicht nur Tirols) beschäftigt, wird jedenfalls das,, Bergbauernbuch“ nicht nur zur Hand nehmen, sondern auch( zumindest inTeilen) lesen müssen. Für die diesbezüglich interessierte Volkskunde besitztzudem immer noch einer der methodischen Leitsätze Wopfners Gültigkeit,der auch dessen Arbeit an seinem hier nur unzulänglich gewürdigten opusmagnum zumindest mitgeprägt hat: ,, Wer das Volk und insbesondere dasBauernvolk richtig kennenlernen will, muß es bei seiner Arbeit aufsuchen."1956 hatten Präsident und Generalsekretär der Österreichischen Akade-mie der Wissenschaften( deren philosophisch- historischer Klasse Wopfnerseit 1934 als korrespondierendes und seit 1953 als Ehrenmitglied angehörte)in einem Gratulationsbrief anläßlich des 80. Geburtstags von Wopfner u.a.geschrieben: ,, In Ihrem monumentalen, Bergbauernbuch' haben Sie mitgrößtem Erfolg versucht, eine zusammenfassende Rechts-, Wirtschafts- undSiedlungsgeschichte sowie eine Volkskunde Tirols in universeller europäi-scher Sicht darzubieten und haben damit, wie wissenschaftliche Kritik inseltener Einmütigkeit feststellen konnte, ein Meisterwerk der Geschichtsschrei-bung geschaffen". Dem ist auch aus heutiger Sicht nichts hinzuzufügen.
Anmerkung
Olaf Bockhorn
1 Wopfner, Hermann: Oswin Moro und die Bergbauernkunde. In: Moro, Oswin:St. Oswald ob Kleinkirchheim(= Archiv für vaterländische Geschichte undTopographie, 34. u. 35. Bd.), Klagenfurt 1951, S. 9-19, hier S. 10.
Berg- Bilder- Gebirge in Symbolen, Perspektiven, Projektionen. Hg. vonder Hessischen Vereinigung für Volkskunde durch Siegfried Becker undClaus- Marco Dietrich(= Hessische Blätter für Volks- und Kulturforschung,NF 35, 1999). Marburg, Jonas Verlag, 1999, 294 Seiten, Abb.
Nichts ist so schnell abgegriffen wie das Unberührte. Das müssen wir geradean Bergbildern immer wieder feststellen. Umso verdienstvoller, wenn mansich nicht nur mit ihrem Entwurf, sondern auch mit den Fingerabdrücken,Fettflecken und anderen Spuren ihrer Aneignung befaßt. Woher ,, unsere"Faszination an den Bergen kommt, das haben ja lange genug fast aus-schließlich schreibende Alpinisten zu beantworten versucht: Da war von