Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
386
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LIV/ 103

nicht übersetzt, was die englische Leserschaft auf Germanisten beschränkendürfte. Die Bibliographie ist stark gegliedert, sowohl nach Themen wie nachOrtschaften, was einem die Suche erheblich erschwert, bis man die zusätz-lichen Bibliographien am Ende jedes Kapitels entdeckt. Für die spärlicheethnologische Literatur zum Thema Theater ist diese Studie nichtsdestotrotzein erfreulicher neuer Beitrag.

Regina Bendix

KNECHT, Michi( Hg.): Die andere Seite der Stadt. Armut und Ausgren-zung in Berlin(= alltag& kultur, Band 5). Köln- Weimar- Wien, Böhlau,1999, 347 Seiten, 7 Abb.

Armut und Ausgrenzung als gegenwärtige Probleme spätmoderner Gesell-schaften sind ein in der Europäischen Ethnologie unterbelichtetes Untersu-chungsfeld. In Zeiten, da unterschiedlichste und noch so marginal wirkendekulturelle Phänomene zum Thema volkskundlicher Forschung werden, ver-wundert es, wenn für den Menschen so zentrale Bereiche wie Vorstellungenvon Gerechtigkeit, Wohlstand oder Armut und die damit verbundenen kul-turellen Praktiken selten behandelt werden und dementsprechend wenigeEthnographien dazu vorliegen. Eine umso erfreulichere Ausnahme stelltdaher der von Michi Knecht edierte Sammelband über Armut und Ausgren-zung in Berlin dar. Im Rahmen eines zweijährigen Studienprojektes amInstitut für Europäische Ethnologie der Humboldt- Universität haben Studie-rende verschiedene Aspekte von Armut und Ausgrenzung untersucht, wobeidie profunde theoretische und methodische Vorbereitung und Begleitung ausallen publizierten Beiträgen spricht. Einmal mehr wird durch die vorliegen-den Ergebnisse die Sinnhaftigkeit von Studienprojekten bewiesen, welcheals eine spezifische Form der Ausbildung gerade für das Fach EuropäischeEthnologie/ Volkskunde die Möglichkeiten bieten, Theorien und Methodenin direkter Auseinandersetzung mit einem Forschungsfeld zu vermitteln.

In ihrer Einleitung Die andere Seite der Stadt" geht die Herausgeberinauf einige grundsätzliche Aspekte ein. Das Interesse gilt dem Bild vonArmut ,, im und durch Reichtum, den innerstädtischen Verdrängungs- undAusgrenzungsprozessen, eben der anderen Seite einer vor Reichtum strot-zenden Gesellschaft. Dabei stehen die Geschichten und Erfahrungen vonMenschen im Mittelpunkt, die Armut in unterschiedlichen Dimensionen undVarianten erleben. ,, Mit einem auf den Alltag gerichteten ethnographischenAnsatz versuchen" die Autorinnen und Autoren ,,, den gegenwärtigen städ-tischen Wandel aus der Erfahrung und Perspektive ganz unterschiedlicher