Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LIV/ 103

zeichnung der Schenkungen an das Kloster des Hl. Panteleimon( S. 170 ff.),ein dem Kloster gewidmetes Gedicht des Volksdichters Panajotis Syrianos( S. 225 ff.), Stiftungsbriefe usw. Solche Quellen werden freilich erst in derDetailanalyse interessant und die Details sind es, die Einblicke in die,, Kulturgeschichte des kleinen Mannes" bzw. seine religiöse Mentalität imVerbund mit ökonomischen Akten und Praktiken zeigt. So ist die Zusam-menfassung kurz gehalten( S. 239 ff., Hinweise auch auf Arbeitsverbote,strafende Heilige usw.) und läßt sich auf die in der Volksmentalität geltendeFormel ,, do ut des bringen, die das Verhältnis des Menschen zu denHeiligen( die wiederum bei der höchsten Instanz vermitteln) reguliert. DerBand schließt mit einer Bibliographie zur Volkskunde von Tilos bzw. hand-schriftlichen Sammlungen, die sich in den verschiedenen volkskundlichenArchiven Griechenlands befinden.

Walter Puchner

MERAKLIS, M. G.: Оéµατα Aαoypapíαç[ Volkskundliche Themen].Athen, Kastaniotis, 1999, 242 Seiten, ISBN 960-03-2484-0.

Der Hauptvertreter der soziologischen Volkskunde in Griechenland hateinen neuen Sammelband mit Studien, die z.T. an entlegener Stelle erschie-nen sind, vorgelegt. Manche dieser Studien, vor allem im ersten Teil, sindgeprägt von der Konkurrenzsituation, die mit der universitären Installierungder Kultur- und Sozialanthropologie entstanden ist, in die die Volkskundeals ,, traditionellere" Wissenschaft der Kulturanalyse geraten ist. Dies wirdgleich im ersten Beitrag deutlich, der einen historischen Abriß der griechi-schen Laographie gibt und ihre Ausgangssituation im 19. Jahrhundert alsSurvival- Archäologie im volkskulturellen Bereich analysiert. Der folgendeArtikel ,,, Zeitgenössische Tendenzen der Volkskunde: ein Beispiel von derInsel Karpathos( S. 37 ff.), in Auseinandersetzung mit Bernard Vernier( Lagenèse sociale des sentiments. Aînés et cadets dans l'île grecque de Karpa-thos) geht auf die Namensgebung ein, gefolgt von einem Artikel über,, Agrarleben( S. 47 ff.), wo auf die ideologischen Dominanten der Be-griffsentstehung im 19. Jahrhundert verwiesen und gleichzeitig seine An-wendung in der neugriechischen Literatur der Provinznovelle und des Hei-matromans verfolgt wird; die, Adonisgärten" in Altertum und Neuzeituntersucht die darauffolgende Studie( S. 65 ff.), sodann wird auf die grie-chische ,, Materialkultur" und ihre Kategorienbildung eingegangen( S. 75 ff.). Weitere Artikel analysieren die Ergebnisse von studentischenDiplomarbeiten bezüglich der nordgriechischen Volkskultur( S. 91 ff.), den