Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
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2000, Heft 3

Literatur der Volkskunde

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ligkeiten, oder bloß persönliche motivierte Ausdrucksweisen und Interpre-tationen, alles ist vorgedacht und hat seine Bedeutung. Die Ikone ist, um mitUspensky zu sprechen ,,, Weg der Meditation, ein, Fenster" in die andere,ideale, aus der Glaubenssicht ,, wirkliche" Welt. So nimmt es nicht wunder,daß diese Bilddarstellungen nicht nur ästhetische Kompositionen von großerSchönheit und Ausdruckskraft sind, sondern auch gedankliche Kompositio-nen von hoher poetischer Dichte und Symbolkraft.

Walter Puchner

VARVUNIS, M. G.: Λαϊκή λατρεία και αφιερωτική πρακτική στηνΤήλο. Σχόλια για την οικονομική βάση της παραδοσιακής θρησκευtikótηtag[ Volksreligion und Votiv- Praktiken auf der Insel Tilos. Anmer-kungen zum ökonomischen Fundament der traditionellen Religiosität]. Rho-dos, Edition der Gemeinde Tilos, 1999, 253 Seiten, zahlreiche Skizzen undTabellen, eine Karte. ISBN 960-86548-0-7.

Der junge Nachwuchs- Volkskundler von der Universität Thrakien hat bishermehrere Monographien zu religiösen Praktiken und Mentalitäten der Popu-lation vor allem des ägäischen Inselbereichs vorgelegt und aufgezeigt, wieman entlegene und übersehene Kirchenarchive und Finanzbücher zum Spre-chen bringen kann, um die Manifestationen der Volksreligiosität in einerbestimmten Region über einen größeren Zeitraum hinweg zu dokumentie-ren. Dies praktiziert er in der vorliegenden Monographie an der kleinen,Rhodos benachbarten Insel Tilos; die Feldforschungen wurden dort imSommer 1994 durchgeführt. In einem einleitenden Kapitel geht der Autorauf den institutionellen Rahmen des Gebräuchlichen ein( S. 13 ff.), dieVerteilung von Kirchen und Kapellen auf der Kleininsel, die Strukturierungder einfachen Sakralräume sowie auf die Quellenberichte seiner Inform-anten. Es folgt ein kurzes Kapitel zu den Votivgaben( S. 36 ff.) und Stif-tungspraktiken im allgemeinen. Sodann geht er auf die Quellenbeschreibun-gen ein: ein Kodex aus der Kirche des HI. Nikolaos, der einen Zeitraum von1930 bis heute deckt( S. 40 ff.) und alle Votivgaben peinlich genau verzeich-net( wann, von wem, warum), ebenso wie alle Einnahmen und Ausgaben,die Protokolle der Kirchenratssitzungen, Güterverpachtungen, Pachtverträ-ge, Versteigerungen, Schenkungsbestätigungen usw., ein ähnlicher hand-schriftlicher Kodex der Kirche von Mariä Entschlafung( S. 100 ff.), dessenerste Eintragungen noch im 19. Jahrhundert einsetzen und der auch richtigdurchgeführte Bilanzen vorweisen kann, Besitzinventuren der Kirchengüterverschiedener Pfarren( S. 152 ff.) aus verschiedenen Zeiträumen, eine Auf-