Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
379
Einzelbild herunterladen
 

2000, Heft 3

Literatur der Volkskunde

379

schen Unterdrückung. Auch in schwierigsten Zeiten kamen jedes Jahr min-destens 30.000 bis 40.000 Wallfahrer zu ihren bestimmten Tagen und mitihren eigenen Traditionen vor allem aus den deutschen und ungarischenDörfern und Städten der Region. Insgesamt bietet die Monographie vonMartin Roos eine so informativ wie liebevoll aufbereitete Geschichte vonKirche und Wallfahrt als Spiegel einer, nach 150jähriger Fremdherrschaftim 18. Jahrhundert aufblühenden Region. Sie erfüllt aber auch alle Ansprü-che an eine wissenschaftliche Dokumentation mit genauen Nachweisen auseiner immensen Kenntnis der deutschen, ungarischen und rumänischenPrimärquellen und Literatur. Die vielen kunst-, ordens- und frömmigkeits-geschichtlichen Bezüge zu Mittel- und Südosteuropa empfehlen das Werkweit über seinen Anlaß hinaus. Seine weite Verbreitung und Kenntnisnahmekönnen mithelfen die Zukunft einer der östlichsten katholischen Wallfahrt-straditionen Europas zu sichern.

Manfred Koller

KRETZENBACHER, Leopold: Sterbekerze und Palmzweig- Ritual beim,, Marientod". Zum Apokryphen in Wort und Bild bei der koíµŋoiç, dormitio,assumptio der Gottesmutter zwischen Byzanz und dem mittelalterlichenWesten. Wien, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften,1999( Österr. Akad. d. Wiss., phil.- hist. Kl., 667 Band), 64 Seiten, 10 farb.Abb. auf Tafeln. ISBN 3-7001-2846-0.

In schier nicht enden wollender Fülle schiebt der nun bald 90jährige Nestorder Ethnologia Europaea immer wieder noch eine Monographie nach, vorallem auf dem von ihm so intensiv kultivierten Forschungsfeld der Bezie-hungen zwischen religiösem Bild und religiöser Erzählung. Die vorliegendeMonographie geht auf die Bildbelege von ,, Maria Entschlafung" ein, aufihren Ursprung in apokryphen Marien- Legenden und dem Bild- Denken, dasan zwei eigenartigen Motiven exemplifiziert wird: der Sterbekerze und demPalmzweig, der vom ,, Evangelismos, Mariä Verkündigung herrührt, wo ihnder Verkündigungsengel in der Hand hält und die jungfräuliche Geburtsymbolisiert. Interessant, daß dieses Motiv zwar auch in der gleichen Weiseschriftlich zu belegen ist, in jenem frühchristlichen Legendenstrom, den dieoffizielle Kirche nicht in das kanonische Schrifttum aufgenommen hat, dochin der Bildwelt der orthodoxen Ostkirche keine Verkörperung erfahren hat.Dort dominieren in der Bildkomposition um die ausgestreckt auf dem Bettliegenden Theotokos und die Trauernden, zwei andere, für den Beschauerviel eindrucksvollere Motive: Die frevelhaft auf das Sterbelinnen ausge-