Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
377
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2000, Heft 3

Literatur der Volkskunde

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ROOS, Martin: Maria Radna. Ein Wallfahrtsort im Südosten Europas.Bd. 1. Regensburg, Verlag Schnell& Steiner, 1998, 336 Seiten, 109 s/ w-und 59 Farbabb., DM 68,-, öS 496,-.

Der Autor ist seit 1999 Bischof der Diözese Timişoara( Temeswar, Te-meschburg). Im vergangenen Jahrzehnt hat er keine Mühen gescheut, dasnach der Revolution in Rumänien und dem großen Exodus der deutschspra-chigen Bevölkerung aus dem Banat entstandene Vakuum in den Gotteshäu-sern und Pfarren des Gebietes gegen die drohenden religiösen und kulturel-len Verluste zu sichern. Mit Hilfe der deutschen Landsmannschaften, derDiözese und des Diözesanmuseums in Regensburg( Inventarisation) undauch des Wiener Bundesdenkmalamtes( Restaurierhilfen) wurde beim Domin Temeswar ein Diözesanmuseum eingerichtet und wurden Vasa Sacra,Kunstwerke und Archivbestände erfaßt und sichergestellt. Mit dieser Sam-meltätigkeit wird ein großteils noch kaum bearbeitetes und außerhalb derRegion weitgehend unbekanntes Material zur Kirchen- und Kunstgeschichte,zur Wallfahrts- und Volkskunde Südosteuropas vor dem Untergang bewahrtund durch die Bearbeitung zugleich dem Vergessenwerden entrissen.

Vor diesem Hintergrund ist der erste Teil der zweibändig angelegten undvom Verlag sorgfältig edierten Monographie über die Franziskaner- Wall-fahrtskirche von Maria Radna vorzustellen. Die 1992 zur Basilika minorerhobene Kirche liegt malerisch am rechten Ufer der Marosch und gehörtheute zur Stadt Lipova( Lippa) im Kreis Arad. Die umfassende, reichillustrierte Präsentation der Geschichte von Kirche, Kloster und Wallfahrtstellt die Bauten und ihre schöne Ausstattung mit mehrfachem Österreich-bezug systematisch vor. Der zweite Band berührt mit Wallfahrtsfrömmig-keit, Pilgerberichten und Historiographie spezifische Themen der religiösenVolkskunde und liefert in einem Dokumentenanhang ausführliche Belege( Archivverzeichnis, Auswahl von Quellentexten, Herkunftsorte der Pilger,Liederverzeichnis, Bibliographie und Register). Im Jahre 1278 ist in Radnaschon eine Kirche bezeugt, 1514 verteidigen sich deutsche Bauern in dernahen Burg Schoimosch und um 1550 unterwerfen die Türken das Banat,sodaß die verbliebenen Katholiken 1582 Rom um die Entsendung einesPriesters bitten mußten. Um 1626 haben bosnische Franziskaner MariaRadna neu besiedelt. Der Bericht des bosnischen Minoriten P. Stipancic imArchiv der Congregatio de Propaganda Fidei in Rom aus der Zeit um 1650gibt Einblick in seinen missionarischen Eifer, zeigt aber auch das Mißtrauender Türken mit einem Kirchenneubau- trotz ständiger Bestechungen-, bisder hartnäckige Pater auf einer Reise nach Konstantinopel sich beimGroßwesir selbst durchgesetzt hatte. Dazu kamen noch Anfeindungen vonden Orthodoxen. Im Zuge der Rückeroberung des Gebietes durch kaiserli-