Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
375
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band LIV/ 103, Wien 2000, 375–422

Literatur der Volkskunde

HALTER, Ernst, Dominik WUNDERLIN: Volksfrömmigkeit in derSchweiz. Mit 8 Fotoreportagen von Giorgio von Arb. Zürich, Offizin, 1999,548 Seiten, zahlr. Abb.

Die Schweizerische Volkskunde zeichnet sich unter anderem dadurch aus,dass sie keine Scheu kennt, zu einem bestimmten Thema eine groß angelegteÜbersicht zusammen zu stellen. Das lässt sich gegenüber anderen nationalgefassten Fachgruppen beinahe als Wesensmerkmal formulieren. JüngstesBeispiel dafür ist das Kompendium ,, Volksfrömmigkeit in der Schweiz, das24 Aufsätze von 20 AutorInnen versammelt. Einzelne Beiträge weisen dabeiauch über die Staatsgrenzen hinaus- offenbar ein Anspruch des Bandes, dersich auch in der graphischen Gestaltung von Umschlag und Titelblatt Gel-tung verschafft. Unterteilt in drei große Kapitel- Volksfrömmigkeit impersönlichen Vollzug ,,, Volksfrömmigkeit in der räumlichen Konkretisie-rung" und ,, Volksfrömmigkeit im Jahres- und Lebenslauf"-, wird mit demBuch versucht, eine für die Gegenwart relevante Darstellung verschieden-ster Phänomene einer Praxis pietatis( Wolfgang Brückner) vorzulegen.Ganz einsichtig ist eine solche Gliederung nicht, zumal das letzte Kapitelals Reminiszenz an traditionelle Ordnungskriterien erscheint und offenbarvor allem jene Aufsätze aufnimmt, die sich nach Meinung der Herausgeberdagegen gesperrt haben, in das polare Schema von ,, privat" und ,, öffentlich"eingeordnet zu werden.

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Tatsächlich wird der Titel dieses letzten Kapitels durch zwei Beiträgegerechtfertigt, deren erster, sehr umfangreicher, die katholische Volksfröm-migkeit im Jahreslauf beschreibt( Karl Imfeld) und deren zweiter jene imLebenslauf( Paul Hugger). Die anderen Aufsätze sind jedenfalls nicht vonder strengen Systematik bestimmt, die das Lebens- und Jahreslaufkonzeptverlangt, und könnten mindestens ebenso gut unter, Volksfrömmigkeit inder räumlichen Konkretisierung firmieren. Damit ist ein grundsätzlichesProblem des fraglos profund edierten Bandes angesprochen: Bei der Aus-wahl der Beiträge lässt sich nur mit gutem Willen ein strukturierter Aufbauerkennen. Was man etwa bei Tagungsbänden zu akzeptieren gelernt hat, dassnämlich die Vielfalt der möglichen Zugänge und Aspekte eine einheitlicheFassung kaum zulässt, sollte meines Erachtens in einem Werk, das sich alsKonzeptpublikation geriert, durch strukturierte Vorgaben seitens der Heraus-