2000, Heft 3
Chronik der Volkskunde
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Gens de l'Alpe"- Menschen der Alpen
Zur neuen Dauerausstellung im Musée Dauphinois in Grenoble
Grenoble gilt als die Wintersportmetropole der französischen Alpen. Dochauch im Sommer lohnt sich ein Besuch, denn seit Jahren schon bietet dasDépartement Isère eine weitere Attraktion: die Kultur. Gemessen am fran-zösischen Durchschnitt wird im Département viel dafür ausgegeben; und diePolitik hat sie als willkommene Selbstdarstellung anerkannt. Im besonderenMaße kann das kulturhistorische Musée Dauphinois dieses Potential nutzen.Die Institution ist für alles, was im Département im weitesten Sinn mit demkulturellen Erbe, dem ,, patrimoine" zu tun hat, zuständig, ob es sich nun umdie archäologischen Funde am Lac de Charavines handelt, um romanischeKirchen aus dem 12. Jahrhundert oder um Industrieanlagen aus dem 19. und20. Jahrhundert. Das Musée Dauphinois ist seit 1992 das Mutterhaus der,, Conservation du Patrimoine de l'Isère", dem zurzeit 15 Museen ange-schlossen sind und das unter der Leitung von Jean Guibal museale, konser-vatorische und denkmalpflegerische Aufgaben bewältigt.
Darüber hinaus versucht das Musée Dauphinois mit seinen Wechsel-ausstellungen im malerisch gelegenen ehemaligen Klostergebäude oberhalbder Altstadt der kulturellen Vielfalt der Region zu entsprechen und dabeiVergangenheit wie Gegenwart im Blick zu behalten. In diesem Sinne ist dieInstitution noch dem Credo seines Gründers Hippolyte Müller verpflichtet,der zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit seiner Sammel- und Ausstellungstä-tigkeit seine Zeitgenossen an die früheren Bewohnern der Region erinnernwollte. Die Ausstellungen des Musée Dauphinois beschäftigen sich bei-spielsweise mit traditionellen Lebens- und Arbeitweisen oder dem Kunst-handwerk. In besonderer Weise widmet sich das Musée Dauphinois darüberhinaus denjenigen Bevölkerungsgruppen, die seit Jahrzehnten das gesell-schaftliche Leben in und um Grenoble mitprägten. Auftakt war 1993 eineAusstellung zur griechischen Gemeinde, der 1998 eine Ausstellung zurarmenischen Gemeinde folgte. In Zusammenarbeit mit Mitgliedern derRésistance aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs enstand gar ein eigenesMuseum. Im Jahr 2000 beschäftigt sich das Musée Dauphinois mit denMenschen aus dem Maghreb. Die Ausstellungen entstehen in enger Koope-ration mit den einzelnen Gruppen und tragen zu ihrer Identitätsfindung inGrenoble bei. Die Arbeit, die das Museum hier leistet- Kustode Jean- ClaudeDuclos nennt es in dieser Form„ Trauerarbeit“, da es zumeist gilt, dieVergangenheit aufzuarbeiten, Veränderungen festzuhalten und neue Wegeaufzuzeigen wird durch internationale Projekte ergänzt. An erster Stellesteht hier die Ausstellung ,, Der Unterschied“, an der sich 1996 neben dem