2000, Heft 3
Chronik der Volkskunde
355
X. Internationales ICOM- Symposium in Lindau am Bodensee19. bis 21. Mai 2000
In Lindau hat ein Generationenwechsel stattgefunden. Dies mag als persön-liche atmosphärische Bemerkung stehen oder als Feststellung einer simplenRealität. Der langjährige und legendäre Deutsche ICOM- Präsident Her-mann Auer hat die Lindauer Tagungen, alle drei Jahre im Frühjahr, alsgemeinsame Veranstaltung Deutschlands, Österreichs und der Schweiz amBodensee ins Leben gerufen. So hat man sie kennengelernt, und als jüngererAdept des Faches durch sie so manche eindrucksvolle Persönlichkeiten derMuseumsszene. Sein Nachfolger im Amt, Hans Albert Treff, hat Lindau-die Bezeichnung des Ortes wurde zum Synonym für einen bestimmtenTagungstypus- zunächst gemeinsam mit Hans- Christoph Ackermann unddann mit Martin Schärer für die Schweiz und dem Österreichischen ICOM-Präsidenten Georg Kugler weitergeführt und die Trademark ,, Lindau“ aus-gebaut. Da hat man inhaltlich mitgestaltet und österreichische Referentenbeigesteuert. Nun ist in allen drei Ländern eine neue Generation am Werk.Dies wird sich in der ein oder anderen Form auswirken und Veränderungenbringen. Jedenfalls wurde von den drei Vorständen fürs Erste bereits be-schlossen, mit der Tagung zwar am Bodensee als Dreiländereck zu bleiben,aber alle drei Jahre das ausrichtende Land und den Tagungsort zu wechseln.Schon diese äußerliche Entscheidung fand starke Befürworter wie Gegner.
Der Titel der diesjährigen Tagung war auf das Millennium abgestimmtund hieß ,, Das Museum als Global Village. Versuch einer Standortbestim-mung am Beginn des 21. Jahrhunderts". Man strukturierte die Themen indie Komplexe Gegenwart und Perspektive von Museen und Ausstellungen,interkultureller Dialog, Museumsarchitektur und Museumskonzepte, verän-derte Bildungschancen durch neue Medien, neue Ansätze in der Museums-politik. Den Eröffnungsabend bestritt Gerhard Tarmann vom Tiroler Lan-desmuseum Ferdinandeum, der nochmals eindrücklich über die Flut-katastrophe in Innsbruck vor einigen Jahren, die im Museum Ferdinandeumso großen Schaden angerichtet hatte, berichtete und zur Solidarität mitMuseen in Ausnahmesituationen aufrief. Aus den Innsbrucker Erfahrungenheraus hat sich eine Zusammenarbeit mit dem Landesmuseum für Bosnienund Herzegovina in Sarajevo entwickelt, das sich aus bekannten ganzanderen Gründen seit Jahren in einer höchst schwierigen und bedauernswer-ten Lage befindet. Passend zum Thema des Internationalen Museumstages2000,, Museums for Peace and Harmony in Society" berichtete Tarmannüber das ,, Sarajevo- Projekt“, eine für 17. bis 21. April 2001 in Sarajevogeplante Großveranstaltung in Form eines internationalen Kongresses, dereine Kooperation zu Kulturgüterschutz und Katastrophenmanagement in