Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
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2000, Heft 3

Chronik der Volkskunde

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Third European Social Science History Conference

Amsterdam, 12.- 15. April 2000

Vom 12. bis 15. April fand an der Freien Universität Amsterdam die dritte,vom International Institute of Social History( IISH) organisierte und inzweijährigem Rhythmus durchgeführte European Social Science HistoryConference( ESSHC) statt. Die informelle Eröffnung erfolgte am 11.4. imIISH; in ihrem Rahmen wurde auch die Möglichkeit geboten, die Einrich-tungen dieses Instituts der Königlich- Niederländischen Akademie der Wis-senschaften zu besichtigen. 1935 als unabhängige und auf private Initiativezurückgehende Einrichtung institutionalisiert, sah das Institut vorerst seineHauptaufgabe in der Sammlung und Archivierung von Dokumenten zurSozialgeschichte, primär zur Geschichte der Arbeiterbewegungen in Europa.Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gelang es, gefährdete Archive dersozialistischen und kommunistischen Parteien aus Deutschland, Österreichund Spanien vor der Vernichtung zu retten und in die Niederlande zu bringen( damals ist etwa der schriftliche Nachlaß von Karl Marx und FriedrichEngels in den Besitz des Instituts gelangt; heute finden sich viele weitereNachlässe von und Unterlagen zu Politikern, Gewerkschaftsführern, Exil-schriftstellern usw. im Besitz des IISH). Auch nach 1945 wurden dieseRettungsaktionen fortgesetzt; insgesamt bezog man den außereuropäischenRaum( Asien, Lateinamerika, Afrika) in die Institutsagenden ein. Inhaltlichkamen zu den Beständen zur Arbeiterklasse solche aus alternativen, studen-tischen, feministischen, zionistischen, verbotenen etc. Gruppierungen undStrömungen, z. B. der Anti- Atom- Bewegung, der demokratischen Studen-tenbewegung in China usw. Die Archivalien füllen derzeit Regale mit einerStellfläche von acht Kilometern; dazu kommen annähernd eine MillionPhotos, Negative und Plakate, eine Sammlung von Realien( Fahnen, Anden-ken usw.) und eine große Bibliothek. Etwa 100 Beschäftigte und eine hervor-ragende Infrastruktur, die einen schnellen Zugriff auf die bestens erschlos-senen Bestände gewährleistet, erleichtern jenen, die hier historische, aberauch kulturwissenschaftliche Forschungen betreiben wollen, die Arbeit.Diese weltweit vielleicht bedeutendste sozialhistorische Dokumentations-und Forschungsstätte mit eigenem Verlag sieht sich aber auch als Organisatorinvon Meetings, Workshops und Konferenzen, deren größte die ESSHC ist.

Man wird diese Veranstaltung, trotz heuer rund 1200 allesamt referieren-den Teilnehmenden aus allen Kontinenten, dank ihrer Struktur und demVerzicht auf Plenarvorträge als intensive Arbeitstagung bezeichnen können.In 28 thematischen ,, Netzwerken, für die höchstens zwei Personen alsVerantwortliche zeichneten, fanden über 250 jeweils zweistündige und