Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
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2000, Heft 3

Chronik der Volkskunde

Bericht über das 32. Internationale Hafnerei- Symposiumdes Arbeitskreises für Keramikforschung in Bremen vom27. September bis 2. Oktober 1999

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Für das 32. Internationale Hafnerei- Symposium hatten die Veranstalter,Prof. Dr. Uwe Mämpel vom Fachbereich Sozialwesen der HochschuleBremen und Dr. Werner Endres für den Arbeitskreis für Keramikforschung,das Schwerpunktthema Der keramische Brand vorgeschlagen. Diesemspeziellen Themenkreis widmeten sich 16 der insgesamt 26 Vorträge, under bildete mit dem Besuch der Firma Nabertherm auch einen Schwerpunktdes Exkursionsprogramms. Zu Beginn der Tagung begrüßte der Rektor derHochschule Bremen, Prof. Dr. Ronald Mönch, die insgesamt etwa 100Teilnehmer aus sieben Ländern( Deutschland, Luxemburg, Niederlande,Österreich, Schweiz, Spanien und Ungarn).

Am Beginn der Tagung standen zwei theoretische Referate. Mit seinen,, Anmerkungen zu den Begriffen Technik, Kunst und Ästhetik" hielt UweMämpel ein Grundsatzreferat über die von ihm präferierte Herangehenswei-se an Keramik. Am Beispiel des Raku- Brandes, den Mämpel als einekeramische Brenntechnik mit starker emotionaler und ästhetischer Kompo-nente begreift, entwickelte er Definitionen der drei zentralen Begriffe undplädierte dafür, neben der Berücksichtigung technischer Aspekte bei derBewertung von Kunst/ Keramik die Lehre der Ästhetik in den Vordergrundzu stellen. Ohne hierzu in einem direkten Gegensatz zu stehen, betonteIngolf Bauer, München, in seinem Beitrag ,, Von der Polytechnik zur Tech-nologie zum Niedergang der handwerklichen Keramikherstellung im 19.Jahrhundert" stärker den technologischen und sozialwissenschaftlichenAspekt. Der Niedergang der handwerklichen Keramik im 19. Jahrhundertsei demnach weniger auf die überstarke Konkurrenz der ästhetisch an-spruchsloseren- Industrieprodukte, sondern auf die Resignation der Hand-werker selbst infolge einer bereits im 18. Jahrhundert einsetzenden Herab-würdigung ihrer Tätigkeit durch Physiokraten und die universitäre techno-logische Forschung und Lehre zurückzuführen.

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Beim nachträglichen Versuch des Berichterstatters, die sehr vielfältigenVorträge zum Schwerpunktthema inhaltlich zu gruppieren, zeichnen sichdrei Komplexe ab: Praktische Fragen und experimentelle Erfahrungen( derReferenten) beim Brennen von Keramik, archäologische Forschungen zuTöpferöfen und technologische Entwicklungen im Ofenbau.

Dem ersten Bereich war die größte Anzahl von Beiträgen gewidmet:Ernst Fehr, Bern, berichtete von seinen Beobachtungen über ,, Vorgängewährend des keramischen Brandes" aufgrund eigener, langjähriger prakti-scher Tätigkeit. Wolfgang Müller, Bonn, stellte seine Ergebnisse beim