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Herbert Nikitsch
ÖZV LIV/ 103
kriegsvolkskunde werden konnte, mag ein Licht auf die retardieren-den Tendenzen( in) einer Disziplin werfen, deren Teilhabe am jeweilszeitpolitisch geprägten staatlichen Identifikationsprozess, wie siesich als roter Faden durch die Geschichte der hiesigen Volkskundezieht, nach 1945 problemlos von einem zuvor( auch vor 1938) vor-rangig auf, Deutschtum zielenden nationalen Narrativ in die nun-mehr forcierter, österreichisch' intendierte Selbstdarstellung derZweiten Republik transferieren ließ.27
Anni Gamerith, um noch einmal auf ihre persönlichen Lebensum-stände zu sprechen zu kommen, entstammte einer Familie von Ge-werbetreibenden und Technikern. 28 Ihr Vater wie bereits ihr Großvatermütterlicherseits hatten die Technische Hochschule absolviert undwaren als technische Konstrukteure tätig, der Vater als Oberingenieur
27 Zur österreichischen Nachkriegsvolkskunde vgl. Nikitsch, Herbert: Volkskundein Österreich nach 1945. In: Bockhorn, Olaf, Helmut Eberhart( Hg.): Volkskundein Österreich. Ein Handbuch( erscheint voraussichtlich 2001).28 Den Eintragungen des Taufbuches der Evangelische Pfarrgemeinde A u. HBGraz, Linkes Murufer- Heilandskirche( Bd. 10, S. 12, Zl. 58) ist zu entnehmen:Vater ,, Friedrich Gamerith, Ingenieur, 27. April 1873 in Horn Nied.Oesterreichgeboren, röm. katholisch"; dessen Eltern- ,, Alois Gamerith und Johanna geb.Pölzl"; Mutter- ,, Anna Emmy Frieda geb. Gamerith, am 10. April 1880 inHirschberg in Schlesien geboren, evangelisch AB"; deren Eltern- ,, FriedrichGamerith, und Frieda, geb. Schneider." In Ergänzung einige Daten aus dem vonDr. Walter Gamerith( Graz, Neffe Anni Gameriths) erstellten Stammbaum derFamilie: Der erste urkundlich gesicherte Vorfahr ist Johann Michael Gamerith,,, Fleischhauer und Zuschrotter des Stiftes Altenburg"( um 1710-1754 in Alten-burg), dessen Nachkommen ebenfalls Fleischhauer waren; von dessen UrenkelAnton( 1800, Stainegg- 1860, von Beruf Müller) stammen die Groẞväter AnniGameriths väterlicher- wie auch mütterlicherseits ab, nämlich aus erster EheAlois G.( 1834-1878, Müller in Horn) und aus zweiter Ehe Friedrich G.( 1849-1928, Ingenieur und Direktor einer Maschinenfabrik in Hirschberg). DessenTochter Anna( 1880–1954), Anni Gameriths Mutter, wird nicht nur als extremgläubige, sondern auch tatkräftige Protestantin geschildert, die in ihrer Jugendlange Zeit den Haushalt ihres früh verwitweten Vaters in Hirschberg geführt undin ihren späteren Grazer Jahren zur Aufbesserung der nur wenig ertragreichenRente ihres pensionierten Mannes die Konzession für eine private Leihbibliothekerworben hat. Diese Bücherei wurde übrigens nach dem Tode der Eltern( 1953bzw. 1954) von Anni Gamerith übernommen, die den vorhandenen Bestand unterAusmusterung jeder Art von Belletristik als verschiedenste Wissensgebiete be-rücksichtigende ,, Universalbibliothek" ausgebaut und( nach bald erfolgter Rück-legung der Konzession) in ihrer Wohnung einem ,, ausgewählten Kreis“ zurVerfügung gestellt hat; freundliche Mitteilung von Mag. Helga Weiß und Dr.Walter Gamerith( Nichte bzw. Neffe Anni Gameriths).