2000, Heft 3
,, Lebendiges Ganzkorn"
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Anna Johanna Gamerith" wurde am 12. März 1906 in Graz gebo-ren und ist am 8. September 1990 an den Folgen eines Verkehrsunfallsebenda gestorben. Nach Absolvierung der staatlichen Lehrerbil-dungsanstalt in Graz war sie rund fünfzehn Jahre Volksschullehrerinin entlegenen Landgemeinden ihrer steiermärkischen Heimat, arbeitetewährend des Krieges und in der Nachkriegszeit in der Landwirtschaftund kehrte ab 1950 wieder für knapp zwei Jahrzehnte in den Schuldienstzurück. In diese Zeit fallen erste ehrenamtliche museologische Aktivi-täten für lokale Heimatmuseen, die später ihre Fortsetzung im größerenund gleichsam offizielleren Stil etwa in der Mitarbeit bei steiermärki-schen Landesausstellungen oder beim Aufbau des„, Steirischen Bauern-museums" in Stainz, einer späteren Außenstelle des LandesmuseumsJoanneum, fanden. Ab 1954 studierte sie in Graz Volkskunde, beteiligtesich daneben an einigen größeren Unternehmungen der österreichischenNachkriegsvolkskunde, etwa dem ,, Österreichischen Volkskundeatlas",und promovierte 1967 bei Hanns Koren über ,, Speise und Trank imsüdoststeirischen Bauernland". Hierauf kam sie, mittlerweile pensio-niert, Lehraufträgen am Grazer Institut für Volkskunde nach und erhielt1987 eine Honorarprofessur für„, Volkskundliche Nahrungsfor-schung an der Universität Graz.
Im weiteren wird auf einige Abschnitte im Leben Anni Gamerithsnoch etwas ausführlicher eingegangen werden, fürs erste jedochsollen diese Eckdaten genügen. Denn wichtiger als biographischeDetails, die aus skeptischer Perspektive auch bloß als Versatzstückeim Mosaik eines ,, sozialen Artefakts" gesehen werden können ,,, dasda, Lebensgeschichte heißt“ und einen kohärenten und quasi teleo-logischen Ablauf individueller Biographie suggeriert¹ – wichtiger17,, Anna Johanna Gamerith, Dr. phil., Alberstraße 3; ohne Religionsbekenntnis,geb. am 12.3.06 Graz, beurkundet in Evang. Pfarre Linkes Muhrufer"; Sterbe-buch ZI. 2703/90, Magistrat Graz, Abt 2, Personenstands-, Kultus- u. Standes-amt. Gamerith hat übrigens stets, in ihren Schriften wie in privater Korrespon-denz, mit der Koseform ihres ersten Vornamens firmiert.
18 Volkskunde in Österreich 22, 1987, S. 34. Früher erfolgte Ehrungen waren derErzherzog- Johann- Forschungspreis des Landes Steiermark( 1957) und das 1962verliehene Silberne Verdienstzeichen der Republik Österreich; Kausel, Eva:Volkskundler in und aus Österreich heute( unter Berücksichtigung von Südtirol)(= Österreichische Akademie der Wissenschaften, Phil. hist. Klasse, Sitzungsbe-richte, 481. Band; zugleich Mitteilungen des Instituts für Gegenwartsvolkskun-de, Sonderband 2). Wien 1987, S. 42 f.
19 Bourdieu, Pierre: Die biographische Illusion. In: BIOS, Heft 1( 1990), S. 75–81,S. 80.