Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
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2000, Heft 2

Literatur der Volkskunde

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einer Erzählperspektive des Unglücks mit jener der Wunscherfüllung vor-genommen würde. Klara Löffler schließt ihre Studie mit dem Bogen zurzunehmenden Verkulturwissenschaftlichung( Konrad Köstlin) des Lebensund der Konstatierung einer gegenwärtigen Favorisierung des Biogra-fischen und Persönlichen im Umgang mit dem Nationalsozialismus und demZweiten Weltkrieg. Sie warnt- meiner Meinung nach zurecht

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vor der

Gefahr einem damit möglicherweise einhergehenden Relativieren in kleine-ren Dimensionen überschaubarer Lebensräume. In meiner Erinnerung blei-ben Spuren an eine interessante kollektive Kriegsbiografie.

Ela Hornung

LA SPERANZA, Marcello: Hakenkreuz im Familienalbum. Zur Foto-archäologie Wiens 1938-1945. Wien, Turia und Kant Verlag, 1999, 235Seiten, zahlr. SW- Abb.

Der Wiener Historiker Marcello La Speranza versammelt in diesem Bandanonyme, auf Flohmärkten und in Altwarengeschäften erworbene Amateur-fotografien aus den Jahren 1938 bis 1945 und versucht, sie für die Zeitge-schichte zu erschließen. Da die Fotos Informationen nicht immer direktvermitteln können, müssen diese laut La Speranza erarbeitet werden, z.B.durch den Versuch der Datierung und Lokalisierung. Er geht dabei v.a.verschiedenen Details wie NS- Abzeichen, Fahrzeugen, Kleidermoden, Fri-suren, Werbetafeln, Straßenschildern etc. nach und beschreibt und kommen-tiert die Fotografien entlang solcher Anhaltspunkte. Der Umgang mit an-onymen Fotodokumenten ist durch die Tatsache gekennzeichnet, dass sieaus dem jeweiligen Kontext gerissen sind und mündliche oder schriftlicheInformationen dazu fehlen. Obwohl der Autor mit quellenkritischem An-spruch auftritt, konterkariert er diesen gleichzeitig wieder, indem er von,, unerschöpflichen" und ,, unverfälschten" Quellen( S. 12 und 13) spricht-zu einem quellenkritischen Umgang mit den Bildern würde m.E. aber auchdie Erkenntnis gehören, dass deren Aussagekraft aus mehreren Gründen undin verschiedener Hinsicht beschränkt ist( so wie auch jede andere Quellen-gattung niemals als ,, unerschöpflich und, unverfälscht eingestuft werdenkann).

Die Sprache des Autors schwankt zwischen phrasenhaften und teilweiseproblematischen Formulierungen einerseits und unfreiwilliger Komik ande-rerseits. Von der NS- Zeit ist als ,, schicksalsschwerer" und ,, unglücklicher"Zeit die Rede. Über die auf den Fotografien abgebildeten Personen heißt es: Bei all ihren Handlungen blieben sie, für uns gesehen, Statisten der