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Literatur der Volkskunde
ÖZV LIV/ 103
ökologische Themen interessieren, sondern vor allem dafür, wie vielfältigund unterschiedlich die menschlichen Möglichkeiten sind, bestimmte Dis-kurse, die im öffentlichen Raum ablaufen, in die individuelle Alltagswirk-lichkeit einzubinden und sie sich dadurch aktiv und gestaltend anzueignen.Harald Schlinger
LÖFFLER, Klara: Zurechtgerückt. Der Zweite Weltkrieg als biographi-scher Stoff. Frankfurt am Main, Reimer Verlag, 1999, 422 Seiten.
,, Fluchtpunkt all dieser Hypothesen, Thesen und Geschichten zu Tötenund Kämpfen, zu Tod und Überleben, zu den existentiellen Themen imBiographieren über den Krieg war der veröffentlichte Diskurs und dessenGeschichte.(...) In der Distanzierung oder in der Annäherung an dasverallgemeinerte Gegenüber und an die Zuhörerin plazierte man Stand-punkte. Nicht Geständnisse, nicht Eingeständnisse, sondern Verteidi-gungsreden und Rechtfertigungsgeschichten bestimmten dieses Erzählenund Besprechen. Erzählen ist da ein Kontern."
,, Ob in kurzen Formen oder in weitausgreifenden Geschichten, dissertanteEinleitungen sind Lehrstücke des Biografierens. Man kennt den Gang derDinge. Am Ende kommt man zurück an den Anfang und versucht, dortplausibel zu machen, warum man zu diesem Ende gekommen ist...." Sobeginnt Klara Löffler richtungsweisend die Einleitung ihrer 1999 im ReimerVerlag publizierten- schön und gut lesbar geschriebenen- Dissertation.Die Methode des Biografischen steht im Zentrum eines theoretisch undempirisch vorgeführten Dekonstruktions- und Revisionsprozesses. Ihr The-ma ist der Zweite Weltkrieg als biografischer Stoff. Beschrieben werdeneingangs mehrfache Abschiede und ernüchternde Erfahrungen während desForschungsprozesses: Der Abschied von der Möglichkeit, das Erleben vonWehrmachtssoldaten überhaupt rekonstruieren zu können, der Abschiedvom Ideal der Authentizität und von der Hoffnung auf den Königsweg'lebensgeschichtlicher Methodik. Am Ende ihrer Untersuchung dominierte-so ihr FazitSkepsis und die„ Revision des wissenschaftlichen Fragensnach dem Biographischen“, die Erkenntnis also, dass wissenschaftliches,wie nicht- wissenschaftliches Erzählen nur wieder Konstruktionen hervor-bringe. Offen bleibt, was die Differenz von wissenschaftlichem Fragen undAntworten zum Antworten und Erzählen von befragten Zeitzeugen danneigentlich ausmacht, was wissenschaftliches Fragen legitimiert. Ob dasDilemma mit der Einführung der Unterscheidung von Konstruktionen erster
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