240
Literatur der Volkskunde
ÖZV LIV/ 103
Europäische Ethnologie und Folklore im internationalen Kontext. Fest-schrift für Leander Petzoldt zum 65. Geburtstag. Hg. von Ingo Schneider.Frankfurt am Main/ Berlin/ Bern/ Bruxelles/ New York/ Wien, Peter Lang,1999, 765 Seiten.
Leander Petzoldt, zu dessen 65. Geburtstag der zu rezensierende Banderschien, gehört zu jener Generation von Erzählforschern, bei der sichkontinuierliche, konzeptionell deutlich umrissene Forschungsarbeit und dasBahnen neuer Wege nicht gegenseitig ausschließen. Petzoldts Leistunguntermauert die etablierten Disziplinen und deckt gleichzeitig neue metho-dologische Zugänge auf. Er reagiert ,, nicht auf Zeitmoden, sondern verfolgtseit seinen wissenschaftlichen Anfängen konsequent das Konzept einer aufbreiter Materialbasis historisch, empirisch und vergleichend ausgerichtetenEuropäischen Ethnologie. Sein umfangreiches wissenschaftliches Œuvrezeugt von Weitblick, umfassender Gelehrsamkeit und genauer Kenntnis derideen- und wissenschaftsgeschichtlichen Zusammenhänge der frühen Neu-zeit“( Vorwort, S. 11). Die Würdigung durch den Herausgeber der Fest-schrift, Ingo Schneider, setzen Freunde und Kollegen von nah und fern aufihre Weise fort. Allein die Tabula Gratulatoria verzeichnet 121 Adressanten,darunter die 55 Autorinnen und Autoren, die den Fachmann mit ihremBeitrag ehren. Petzoldt habe den Lehrstuhl zu Innsbruck vom provinziellenZentrum Tiroler Kulturstudien zu einem in der akademischen Welt aner-kannten internationalen Institut für das vergleichende Studium der Ethnolo-gie und Erzählforschung entwickelt so Donald Ward.( S. 321) RudolfSchenda schätzt den Jubilar als ,, umsichtigen Erzählforscher“( S. 258), derstets auch Anregungen für interdisziplinär ausgerichtete Studien vermittelthat. Letztlich sprechen seine vielzitierten Veröffentlichungen, die uns in denLiteraturhinweisen und Fußnoten der einzelnen Aufsätze immer wieder vorAugen treten, für sich. Das Werk lobt den Meister! Die aus der Lektüre derFestschrift gewonnene Erkenntnis, dass dieses Werk auch gelesen, verarbei-tet und weitergeführt wird, dürfte die Bedeutung einer jeden Laudatio beiweitem übertreffen.
-
Bekanntlich fordern Zeitenwenden zum Rückblick, gleichzeitig aberauch zur Vorausschau heraus. So erschien der- mit 765 Seiten schon reinäußerlich beeindruckende Band janusköpfig an der Schwelle zum neuenJahrhundert. Mit entsprechenden Erwartungen wird er gelesen. Nun zeigtsich Janus, der doppelgesichtige Gott des Ein- und Ausgangs, in mehrfacherHinsicht für die Kulturforschung symbolträchtig, was zum einen im For-schungsgegenstand, zum anderen im Selbstverständnis des Fachs begründetliegt. Wie der empirische Befund im weiten Feld der Europäischen Ethno-logie, vor allem aber der Erzählforschung zeigt, gehören gegenwärtig Re-