2000, Heft 2
Literatur der Volkskunde
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Möglichen zu referieren, ist im Rahmen einer Rezension schwierig, wohlaber notwendig, den Schlusssatz der Abhandlung zu zitieren:„, Vielleichtkönnten die Geisteswissenschaften auch einen Beitrag leisten, das subtileGleichgewicht herzustellen, das es dem Einzelnen ermöglicht, sein Berufs-leben positiv zu bewältigen."
Ein schönes Beispiel für den epochenspezifischen Wandel des byzanti-nisch- geistlichen Bildes von der ,, Paradiesleiter" des Johannes Klimakos( 7. Jahrhundert) bis zum ,, entgeistlichten" Ikonotop sozialistischer Propa-ganda und Demagogie trägt Leopold Kretzenbacher zur Festschrift bei( ,, Ein Neu- Versuch zum Bild- Gedanken„ Schwieriger Weg nach oben“,S. 565-588). Die Studie ist ansprechend bebildert, nur fehlt leider eineAbbildung der sozialistischen Version des Himmelleitermotivs, und derLeser muss sich mit der freilich sehr detaillierten Beschreibung zufriedengeben; in jedem Fall aber ein instruktiver Vorgang des Tradierens eineschristlichen Motivs in konkreter historischer Betrachtungsweise.
Das ,, Blaue Wunder" ist mit fast 700 Seiten recht voluminös, und manmuss Zeit finden, die Fülle des Materials aufzunehmen und sie sich anzu-eignen. Für den interessierten Leser bilden die Beiträge eine spannendeLektüre. Sie sind lehrreich- anregend und bieten einen instruktiven Einblickin die Vielgestaltigkeit unserer Disziplin, was nichts mit Stoffhuberei zu tunhat, sondern Erkenntnis fördernde Nachweise zum neuen Geschichtsver-ständnis unserer Zeit liefert.
Wolfgang Jacobeit
BOCKHORN, Olaf, Gunter DIMT, Edith HÖRANDNER( Hg.): UrbaneWelten. Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1998 in Linz.Wien, Selbstverlag des Vereins für Volkskunde, 1999, 484 Seiten. Abb.
Die Stadtforschung nimmt heute in der Volkskunde einen immer wichtigerenPlatz ein, darüber besteht kein Zweifel. Und die Stadt erweist sich dabei alsein Feld der fast unbegrenzten Möglichkeiten, eine Chance für die Forschen-den, eigene und eigenwillige Zugänge zu wählen. Davon zeugt die vorlie-gende Publikation. Als Erstes beeindruckt denn auch die Offenheit derHerausgeber für unkonventionelle Themen und Zugänge. Das wirkt erfri-schend und erlaubt, Erstaunliches zu entdecken. Aus der Arbeit dürften soImpulse für die künftige volkskundliche Stadtforschung ausgehen, die heutezu oft noch in fachideologischen Einseitigkeiten verspannt wirkt. Im Fol-genden seien die einzelnen Beiträge, wenn auch nicht lückenlos, kurzangesprochen.