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Literatur der Volkskunde
ÖZV LIV/ 103
Dass sich 45(!) ausgewiesene Autoren zu dieser Festschrift versammelthaben, hängt zweifellos mit der internationalen Anerkennung des Jubilarsals Mensch und Persönlichkeit, vor allem aber auch als Wissenschaftlerzusammen, doch meint der Rezensent aus der Mehrzahl der Beiträge gera-dezu das Bedürfnis herausgelesen zu haben zu demonstrieren, dass Volks-kunde keineswegs eine antiquarische oder nur dem Traditionellen zuge-wandte Wissenschaft ist bzw. sein will, sondern durchaus in dem vielfältigensozio- kulturellen Geschehen der Gegenwart ihren verantwortlichen Platz imRahmen der Gesellschafts- und Geisteswissenschaften einzunehmen ver-mag und vor allem dazu willens ist. So betrachtet, ist es auffallend, in welchhohem Maße der Anmerkungsapparat der einzelnen Beiträge neueste Publi-kationen und zwar interdisziplinären Charakters aufweist und damit auchSachdarstellungen, in einem umfassenderen Zusammenhang erarbeitet, ei-nen höheren Erkenntniswert besitzen, ohne- wie oft- ins abstrakte Theo-retisieren zu verfallen.
Die Festschrift beginnt mit Klaus Beitls Curriculum: ,, Auf den Spureneines Grenzgängers zwischen Berlin- Schruns- Paris- Wien", recht ein-drucksvoll beschrieben von Margot Schindler. Da sind die wegweisendenBegegnungen nicht nur mit den Maßgebenden der europäischen Ethnologie,sondern nicht minder mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die erfür sich und seine wissenschaftlichen Ziele zu interessieren vermag. So ister nicht Grenzgänger in dem Sinn, dass es ihn in seiner Tätigkeit auf derSuche nach dem rechten Weg des eigenen sinnvollen Schaffens hin- undhergetrieben hätte, sondern eher als jemand, der als„, Brückenbauer“ zuwerten ist, der es versteht, Verbindungen, Beziehungen zu schaffen, ebenBrücken zu schlagen ,, zwischen Menschen, Institutionen und Fachgebie-ten". Dem entspricht zugleich, dass Klaus Beitl ,, kein Vertreter eines roman-tischen oder nostalgischen Standpunkts[ ist], viel eher liegt ihm die Rolledes Diagnostikers und Analytikers“. Und, so schließt Margot Schindler ihreLaudatio: ,, Als überzeugter Europäer hat er das Verbindende zum Programmerhoben und damit der in der Wiener Laudongasse vertretenen Volkskundeden Weg zur europäischen Ethnologie gewiesen.“ Dass ihm und seinenKolleginnen dieser Brückenschlag mit der konzeptionell neuen Gestaltungdes Österreichischen Museums für Volkskunde in hervorragender Weisegelungen ist, zählt der Rezensent zu seinen markantesten Eindrücken an-lässlich einer Gastvorlesung am Lehrstuhl von Konrad Köstlin im Sommer1999. Von diesem Museum könnten wirklich wichtige Impulse ausgehen fürdie Notwendigkeit und öffentliche Wahrnehmung der sozio- kulturellen Ge-meinsamkeiten, aber auch Unterschiede europäischer Gesellschaften. InBerlin ist im Sommer 1999 das ,, Museum Europäischer Kulturen“ aus demZusammenschluss beider ehemals in Ost- und Westberlin ansässigen Volks-