Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
225
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

Band LIV/ 103, Wien 2000, 225-267

Literatur der Volkskunde

GRIESHOFER, Franz, Margot SCHINDLER( Hg.): Netzwerk Volkskun-de. Ideen und Wege. Festgabe für Klaus Beit zum siebzigsten Geburtstag.(= Sonderschriften des Vereins für Volkskunde, Band 4). Wien, Selbstverlagdes Vereins für Volkskunde, 1999, 696 Seiten, Abb.

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Unter den zahlreichen Festschriften für um das Fach verdiente Volkskund-lerinnen und Volkskundler gibt es relativ wenige, welche die ganze For-schungs- und Erkenntnisbreite der Disziplin umfassen, verdeutlichen undparadigmatisch untermauern, wie das bei dem vorliegenden, voluminösenWerk- von der Farbe des Einbandes könnte man es als ein ,, blaues Wunder"bezeichnen der Fall ist. Vor über 100 Jahren erschien der wissenschafts-geschichtlich bedeutsame Aufsatz von Karl Weinhold ,, Was soll die Volks-kunde leisten?" Diese Frage löste eine jahrzehntelange Theorien- undMethodendiskussion um Gegenstand und Aufgabenstellung aus, die dasFach samt einer großen Zahl seiner Vertreter in die Fänge des Nationalso-zialismus trieb, den Soziologen Heinz Maus schon 1946 zum Verdikt derVolkskunde veranlasste, und 1971 Dieter Kramer seine provozierende Fragestellen ließ ,, Wem nützt Volkskunde?" Diese drei Fragen bzw. Feststellun-gen stehen jeweils im Schnittpunkt sozio- ökonomischer,-kultureller undideologisch- politischer Entwicklungsperioden des 20. Jahrhunderts. DieFestschrift für Klaus Beitl markiert nun am Ende dieses Saeculums und ander Milleniumsschwelle eine weitere Etappe von dem, was Volkskundeleisten sollte und leisten kann, und wie nutzbar sie für rechtzeitiges Erken-nen und Reagieren auf die nach wie vor latente Gefahr ihres abermaligenMissbrauchs ist. Insofern ist das ,, blaue Wunder" mehr als eine Festschriftfür einen verdienten Jubilar. Vielmehr ist ein Grundlagen- und Grundsatz-werk für das Fachverständnis entstanden, das sich sehr zu recht als ,, Netz-werk Volkskunde im Sinn einer gegenwartsnahen, aber keinesfalls moder-nistisch aufgefassten Aufgabenstellung und Verantwortung versteht. ,, Netz-werk", so heißt es bereits in der vorwortgemäßen ,, Zueignung" für KlausBeitl ,,, ist ein moderner Begriff, der Gegenwart, der Globalität und Flexibi-lität mitdenken lässt, wie auch Kommunikation und Multifunktion." DiesesNetzwerk, so heißt es weiter ,,, erwies sich aber auch als elastisch genug, umRückmeldungen sämtlicher aktiver Forschergenerationen mit verschiede-nen Forschungsrichtungen und Zugangsweisen aufnehmen zu können.