2000, Heft 2
Chronik der Volkskunde
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W.Hofrat Univ.- Prof. Dr. Ernst Burgstaller+
Am 22. Jänner 2000 ist Professor Burgstaller im 94. Lebensjahr gestorben.Wie es in der Parte so schön heißt ,, Er wird in unseren Herzen und in seinemwissenschaftlichen Lebenswerk weiterleben“. Und es ist ein durchaus be-achtliches wissenschaftliches Erbe, das er uns hinterlassen hat und sichkeineswegs auf die Felsbilder- und Gebildbrotforschung beschränkt, wenndas auch vielleicht seine markantesten und auch bekanntesten Forschungs-gebiete waren.
Ernst Burgstaller wurde als Lehrersohn am 29. Mai 1906 in Ried imInnkreis geboren, wo er auch das Staatsgymnasium besuchte. Anschließendstudierte er an der Universität Wien, wo er 1930 zum Dr. phil. promovierteund die Lehramtsprüfung ablegte, die Fächer Germanistik, Geschichte, Vorge-schichte, Volkskunde, Völkerkunde, Geographie und Museumswissenschaften.Seine Dissertation bei E. Castle hieß ,, Richard Billingers expressionistischeSprachkunst". Nachdem er zunächst als Mittelschullehrer in Ried im Innkreisund Linz wirkte, habilitierte er sich 1944 an der Universität Heidelberg beiEugen Fehrle für das Fach Volkskunde( 1964 Neuhabilitierung an der Univer-sität Graz bei Hanns Koren, seit 1968 Dozent am Institut für Sozial- undWirtschaftsgeschichte der Universität Linz). 1952 trat Burgstaller als stellver-tretender Leiter des Instituts für Landeskunde von Oberösterreich in den Lan-desdienst ein, von 1966 bis zu seiner Pensionierung Ende 1971 war er dessenLeiter. 1970 wurde Dozent Burgstaller zum a.o. Hochschulprofessor ernanntund zum Wirkl. Hofrat des Landes Oberösterreich befördert.
Schon früh wandte sich Burgstaller der kartographischen Darstellungvolkskundlicher Erscheinungsformen zu. Bereits von 1936-38 war er Se-kretär der Landesstelle Oberösterreich für den ,, Atlas der deutschen Volks-kunde“, 1951 wurde er Generalsekretär der ,, Commission International del'Atlas du Folklore Européen“. 1953/54 war er Mitbegründer des ,, Österrei-chischen Volkskundeatlas", dessen erste Lieferung er 1959 gemeinsam mitAdolf Helbock in Linz, dem ersten Sitz des Kuratoriums und der ,, Gesell-schaft für den Österreichischen Volkskundeatlas“, herausgeben konnte, undbis 1958 Generalsekretär und Leiter der dafür geschaffenen Zentralstellesowie kartographischer Leiter. In diesem Jahr wurde er gemeinsam mitProfessor B. Bratanić( Zagreb/ Agram) beauftragt, einen Volkskundeatlas fürMitteleuropa vorzubereiten.
Als Mitarbeiter und dann Leiter des Instituts für Landeskunde von Ober-österreich oblag ihm u.a. neben der Herausgabe und Redaktion der ,, Ober-österreichischen Heimatblätter" auch die Erstellung des ,, Atlas von Ober-österreich", ein umfangreiches Werk, von dem vier Lieferungen erschienen