Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
219
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2000, Heft 2

Chronik der Volkskunde

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Die neugestaltete Volkskundeabteilung im Museum Lauriacum,

Enns, Oberösterreich*

Vor der gemeinsamen Begehung der neugestalteten Museumsräume ist esmir ein Anliegen, auf die Begriffe Volkskultur, Volkskunde und Volkskun-demuseum aus meiner Sicht kurz einzugehen. Unter Volkskultur versteheich die Gesamtheit der überlieferten, aus der Tradition, aber auch aus neuen,gegenwärtigen sozioökonomischen Änderungen sich entwickelnden kultu-rellen Äußerungen einer bestimmten Region, zum Beispiel dem Salzkam-mergut oder dem Traunviertel. In unserem Fall betrifft dies den Raum Enns,also die Ennser Regionalkultur. Der Begriff Volkskunde bedeutet für michdie Lebenskunde einer bäuerlichen und bürgerlich- städtischen Gesellschaft.Für uns geht es hier also um den Lebensbereich der in Enns beheimatetenMenschen. Das Museum im allgemeinen und die volkskundliche Sammlungim besonderen sollen einen Spiegel dieses Lebensraumes darstellen.

,, Daß wir ein Museum besitzen, ein Museum eröffnen oder die Erweite-rung und Neugestaltung festlich begehen, kommt uns heute fast selbstver-ständlich vor", Eröffnungen von Ausstellungen sind heute ein gesellschaft-liches Ereignis. Es ist eigenartig: Auf der einen Seite nennt man unsereGesellschaft eine Konsum- und Wegwerfgesellschaft, andererseits wirdnoch und noch gesammelt. Das gilt für den privaten wie für den öffentlichenBereich gleichermaßen.

Museen verweisen auf abgegangene Kulturen und versuchen festzuhal-ten, was zu vergehen droht. Das Aufbewahren und Konservieren, Interpre-tieren und Ausstellen ist von großer Bedeutung. Wir stellen Sachen, die ihreFunktion verloren haben, in Glaskästen aus, beleuchtet und mit erklärendenBeschriftungen versehen. Manch heutige Museen sind Orte des Abschied-nehmens und der Wiedererkennung. In ihnen besuchen und suchen wirunsere Vergangenheit, die im Museum aufbereitet wird und oft schöneraussieht, als sie war.² Die übliche starre Aufstellung hat den Museen dafürdas Odium von Kulturfriedhöfen eingetragen. Jede Aktion, die aus derStarre herausführt, hat ihren Wert. Es gilt dem Zustand vorzubeugen, daßjemand sein örtliches Museum jahrelang nicht mehr betritt, weil er es,, ohnehin schon gesehen hat. Wenn sich im Museum lange nichts verändert,ist diese Haltung auch durchaus verständlich.

Die Sammlung, die in der Volkskundeabteilung unseres Museums prä-sentiert wird, besteht durchwegs aus Sachen, die aus dem Ennser Raumstammen, aus Dingen, die hier hergestellt, hier verwendet und hier getragenwurden. Im neugestalteten Volkskundesaal wird ein Überblick über dieLebensäußerungen im lokalen Bereich geboten. Es handelt sich um ein