Aufsatz in einer Zeitschrift 
Ein Votivbild beginnt zu sprechen : Votivbildstudien 3: Votivbild aus der Maria-Heimsuchungs-Kapelle in Bayerbach an der Rott, BA Griesbach (Niederbayern), 1761
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Mitteilungen

ÖZV LIV/ 103

Die relative ,, Treffsicherheit" dieser Bildbestimmung war begünstigt durchden einigermaßen expliziten Erklärungstext auf der Votivtafel. Die verblie-bene Unsicherheit in der örtlichen Zuschreibung war bedingt durch die nichteindeutig zuzuordnende Angabe der Provenienz der seinerzeitigen Votantinaus zwei möglichen, weil ähnlich lautenden Orten im Einzugsbereich dernachgewiesenen Wallfahrtsstätte im niederbayerisch- oberösterreichischenGrenzgebiet von Passau.

Kommissar Zufall" konnte nun unlängst die völlige Aufklärung desSachverhaltes erbringen. Herr Helmut Voggesberger, Vereidigter Buchprü-fer, Steuerberater, Rechtsbeistand, Landwirtschaftliche Buchstelle, in D-94060 Pocking( Niederbayern) ist, auf welchem Weg auch immer, auf dieBildquelle und die Textstellen in meinem Buch gestoßen und hat alsbaldtelefonischen Kontakt mit dem Museum in Wien gesucht. Hieraus ist einBriefwechsel hervorgegangen, der mit Datum des 26. November 1998vollends zur Entschlüsselung des historischen Bild- und Sachzeugnissesgeführt hat und der deshalb hier in extenso wiedergegeben werden soll:

Der Heimatort meiner Frau ist Bayerbach in der Nähe von Passau.Die dortige Nebenkirche in Langwinkl ist eine Wallfahrtskirche MariaHeimsuchung, die 1640 errichtet wurde. Ich darf Ihnen hierzu aus demBuch ,, Die Kunstdenkmäler von Bayern Bezirksamt Griesbach" dieentsprechenden Kopien fertigen, die die Geschichte dieses Gotteshausesnäher darstellen( Die Kunstdenkmäler von Bayern- Bezirksamt Gries-bach). Am Schluss( S. 186) dieser Ausführungen ist vermerkt, dass sichin dieser Kirche zahlreiche Votivtafeln aus dem 17. Jahrhundert befundenhaben.

Die Existenz des Christus an der Geisselsäule, der auf diesem Votivbildabgebildet ist, ist in einem Aufsatz erwähnt, den ich Ihnen gleichfalls inKopie beifügen darf. Wie Sie daraus entnehmen können, hat der örtlicheWirt die Figur des Wies- Heilandes um 1756 in diese Kirche gewidmet( Walter Hartinger: Dem Pfarrer zum Trotz).'

Aus einer Ahnentafel, die meiner Frau vorliegt, ist ersichtlich, dass in derTat im Jahre 1739 eine Barbara Fischer einen Franz Maysenberger gehei-ratet hat und dass diese den Beruf der Weber ausgeübt haben. Im übrigenträgt die Votantin ganz eindeutig die Rottaler Tracht, die in der gleichenAusführung auf Abbildungen dieser Zeit zu finden ist. Der Hausname ,, May-senberger" gilt noch heute auf dem Elternhaus meiner Frau.

Damit dürfte mehr als eindeutig erwiesen sein, dass dieses Votivbild ausder Maria- Heimsuchungs- Kapelle in Bayerbach an der Rott stammt unddass dieses von einer Vorfahrin meiner Frau gestiftet wurde.

In der öffentlichen Sammlung des Wiener Volkskundemuseums konntesomit ein nunmehr ,, sprechendes familiäres Erinnerungsstück stellig ge-