Aufsatz in einer Zeitschrift 
Ein Votivbild beginnt zu sprechen : Votivbildstudien 3: Votivbild aus der Maria-Heimsuchungs-Kapelle in Bayerbach an der Rott, BA Griesbach (Niederbayern), 1761
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Mitteilungen

ÖZV LIV/ 103

Anders ist zu verfahren bei der Interpretation der Votivtafeln, die- herausgelöstaus ihrem ursprünglichen Kontext, nur allzu oft unzulänglich dokumentiert,vielfach vermittelt durch Kommissionäre usw.- in den Bestand musealerKollektionen gelangt sind. Bisweilen können Datierungen, Orts- und Namens-nennungen für die Bestimmung von Votivbildern hilfreich sein. Im übrigenwerden sich die Votivbildanalyse und-deutung auf die hierfür entwickeltenVerfahrensweisen und das zur Verfügung stehende Instrumentarium stützenmüssen: vergleichende ikonographische Erschließung der Gnadenbilder; zeit-,landschafts- und sozialspezifische realienkundliche Zuordnung der Kleidungder Votanten und der dargestellten Sachgüter; Ortsbestimmungen unter Zuhil-fenahme von topographischen Wallfahrtshandbüchern usw.

Der Treffsicherheit derartiger indirekter Erschließungen des den Votiv-bildern innewohnenden konkreten Inhalts haftet unter solchen Umständenoftmals eine gewisse Unschärfe an. Doch kann die auf vorläufiger Erkennt-nis beruhende Veröffentlichung zur Erschließung zusätzlicher Quellen füh-ren: wie etwa die Mitteilung des Wissens kenntnisreicher Experten oder dieAufhellungen anhand weiterführender Fachliteratur... Diesbezügliche Er-fahrungen konnte ich im Anschluß an die Veröffentlichung von Votivbild-kommentaren in meinem hier genannten Buch machen.* Die oftmals bestä-tigte Einsicht des Sammlers und Museographen, daß man einen präzisenKatalog erst erstellen kann, wenn man vorab einen Katalog bearbeitet undveröffentlicht hat, findet sich hier einmal mehr bestätigt.

Und wie damals zwei ,, Solisten aus dem vielstimmigen ,, Chorus" der ausdem Sammlungsbestand des Österreichischen Museums für Volkskunde inWien für die Wiedergabe in Bild und Wort ausgewählten 48 Votivtafeln imnachhinein ihre Stimme erhoben haben, begann unlängst ein drittes Bild fürsich zu ,, sprechen. Es handelt sich um das Votivbild mit der Inv.-Nr. ÖMV52.793, das mit folgender Inventarnotiz versehen wurde( siehe Abbildung):

Christus an der Geißelsäule, Maria Heimsuchung, Votantin.

Öl auf Holz, aufgenagelte braune Rahmenleiste. Oben auf Wolken vorgelbem Hintergrund zwei Gnadenbilder, links Christus an der Geißelsäu-le, rechts Mariä Heimsuchung( Maria mit Elisabeth, die Leiber enganeinander). Unten in Kulissenraum mit rotem Boden Votantin kniend inTracht, mit schwarzer Haube und mit Rosenkranz als Attribut. LinksSchriftfeld: Barbara Maysenbergerin weberin zu Peyerbach, verlobt sichanhero. Willen sie drey wochen ein wegen( wehen) Fuss gehabt, sosie ihrzuflucht genommen ist besser worden. 1761.

Aus der Heimsuchungskapelle in der Nähe von Passau( Niederbayern);die Wallfahrerin kam vermutlich aus Bayerbach Rott, BA. GriesbachRottal( Niederbayern) oder aus Peuerbach, BH. Grieskirchen( Oberöster-reich); datiert 1761. h= 24 cm, b= 19 cm.5