180
Konrad Köstlin
ÖZV LIV/ 103
verbracht hat, skizziert seine Beziehung zur DDR:„ Meine Mutterstammt übrigens aus Sachsen“;„, durch Heirat Ausreise nach Wien";,, war selbst oft drüben zu Besuch"( eine Wienerin). Man erzählt seineLebensgeschichte: ,, Vor 10 Jahren Flucht aus der DDR mit meinerdamals 6jährigen Tochter. Sie mit ihren 17 Jahren findet diese typi-schen DDR- Gegenstände ziemlich lustig; weit entfernt." Einige Wie-ner wieder erzählen von den Schikanen, denen sie bei ihren Reisenausgesetzt gewesen sind- ,, ich bin heute noch böse, daß mir beimjährlichen Verwandtenbesuch meine Comic- Hefte immer weggenom-men wurden"-, und stellen eben damit zugleich ihre Kenntnisseunter Beweis, die sie bei dienstlichen und privaten Reisen- ,, ich hatte( und habe) Verwandte im Osten"- in die DDR erworben haben.
Ein Österreicher ,,, der die DDR selbst mehrmals erlebt hat", freutsich zwar ,,, daß so viele Gegenstände erhalten blieben“, hat aber,, trotz nostalgischen Rückblicks eines damaligen, Westlers'[...] auchviele unangenehme Erinnerungen an diesen dreckigen Rest Deutsch-lands." Ein anderer Österreicher, aus Leipzig 1946 nach Wien gekom-men, teilt die Bezeichung ,, Arbeiterintensivhaltung“ für die Bautenmit. Und ein Brandenburger schreibt ausführlich über das ,, Einweck-glas DDR", in welchem ,, eine saures Früchtchen über 40 Jahreheranreifte." In diesem Zusammenhang wird mehrfach kritisiert, daßder Überwachungsapparat in der Ausstellung ausgeklammert wirdund damit die Angst vorm Nachbarn, die Relation Ostmark/ West-mark: ,, Es war nicht nur nostalgisch schön!"
Schließlich weist ein knapper Eintrag auf einen Höhepunkt der natio-nalen Fußballhistorie Österreichs: ,, AUT- DDR 3: 0 – 89 Danke!" Ge-meinsamkeit und Vergleich: Ostdeutschland sei Österreich näher alsWestdeutschland. ,, Zwischen Österreich und D- Ost gibt es seltsam vieleGemeinsamkeiten“, meint ein Sachse. ,, Die DDR war der bessere Teilvon Deutschland". Die DDR wird als ,, preußisches Österreich“ bezeich-net. ,, Für nicht allzu sensible Naturen blieb es aber durchaus erträglich",meint ein anderer und verweist auf Errungenschaften wie Grundversor-gung, öffentliche Verkehrsmittel und ähnliches. In den Ausstellungstex-ten sei die politische Einstellung- leider- unschwer zu erraten. ,, Wietoll ist doch alles bei uns in Österreich( gewesen) oder?“„ Ich warangenehm überrascht über die nicht verfälschende Darstellung vomLeben in der DDR. War nämlich auch schön und so...“
Immer wieder ist im Besucherbuch die Verwunderung über dieTatsache formuliert worden, daß die eigene Lebenswelt bereits mu-