2000, Heft 2
Wohnen ausgestellt- Leben in der Platte
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Einem Wiener wieder vermittelte die Ausstellung den Eindruck,,, daß manche Ideen der DDR gar nicht einmal so schlecht waren-wenn nicht das System der Unterdrückung gewesen wäre"; denn die,, Idee, jedem Bürger seine Wohung[...] zu einem leistbaren Preis“ zuverschaffen, sei ,, schließlich nicht einmal bei uns Realität“. Und inanalogem Gedankengang vergleicht ein Schweizer Besucher mit demZürcher Aussenviertel Schwamedingen, wo Wohnungen ,, mindestensgenau so hässlich“ seien wie in der DDR ,,, nur mit dem einen grossenUnterschied, dass für eine Schwamedinger Wohnung bis zu 3/4 einesFamilieneinkommens draufgehen.“ Manche Eintragungen sind in die-sem Zusammenhang von lapidarer Prägnanz:„, Kein Unterschied zurGroßfeld- Siedlung"; und: ,, hier hatte ich auch nicht viel mehr.“ Kritikwie Sympathie sind dabei nur zu deutlich verteilt: ,, Die tendenziösenTexte der Aussteller klammern aus, daß eine Wohnung z.B. in Kaiser-mühlen genauso ausschaut( e), aber in der DDR weniger kostete."
Eine 1975 geborene Sächsin hat in der Ausstellung ,, ein Stück meinerIdentität“ wiedergefunden: ,, Habe 18 Jahre in der Platte gelebt. DasSchöne daran war, daß man sich auch bei Freunden in der Wohnungsofort zu hause fühlte, weil überall die gleichen Möbel und, Schmuck-stücke rumstanden. Am wichtigsten war meiner Meinung nach dasZusammengehörigkeitsgefühl, was ich heute sehr vermisse." LetztereBemerkung ist der Tenor einer Reihe von Eintragungen: ,, Ich vermissedie Gesellschaftsform DDR nicht“, schreibt eine vor zehn Jahren ge-flüchtete Frau ,,, aber manchmal mehr Menschlichkeit hier." Und auchsie hebt hervor: ,, Irgendwie waren doch fast alle Leute gleich- jederhatte die gleiche Einrichtung und für jeden gab es die gleichen Artikelim Konsum zu kaufen." Carmen, die einundzwanzig Jahre in Halle/ Saalegelebt hat und jetzt in Wien wohnt, grüßt ,, mit sozialistischem Gruß, seibereit!" und fügt an: ,, aber die, Platte und die Leute aus dem Ostenwaren und sind gut." Gegrüßt wird im Besucherbuch ironisch odernicht auch mit ,, Freundschaft!". Und nur die Einschriebe ,, Völkerhöret die Signale“ und„ Beim nächsten Mal wird es gelingen!" hat eindritter Besucher mit dem Bemerken ,, Arschloch" durchgestrichen.
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,, Auffallend viele, ostzonale Besucher in dieser Ausstellung" er-kennt ein West- Deutscher: Man fahre offenbar ,, nach Wien, um seinvergangenes Land und Leben zu betrachten.“ Auffällig ist in der Tat,wie viele ehemalige DDR- Bürger sich in das Buch eingeschriebenhaben; auffällig auch, wie man die Kompetenz, ein Urteil zu fällen,begründet: Man gibt die Jahre an, die man in der DDR, in der Platte