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Konrad Köstlin
ÖZV LIV/ 103
gesellschaftspolitisches Ziel: dem Bürger mit seinem Eigenheim einGenügen zu verschaffen.
3. Unsere Maßstäbe: fremde Blicke Blicke des Befremdens
Gottfried Korff hat einmal mitgeteilt, daß im Freilichtmuseum Kom-mern Besucher aus den USA ganz erstaunt darüber gewesen waren,daß die früheren Bewohner aus diesen netten Häusern nach den USAausgewandert seien. Im Freilichtmuseum Stübing haben sich ältereFrauen, die auf einem Gemeindeausflug das Museum besuchten,glücklich geschätzt, die alten Häuser mit Feuerstellen und knappstemsanitären Inventar, die sie nun besuchsweise aufsuchten, gegen mo-derne Häuser mit bequemen Installationen eingetauscht zu haben. Amselben Tag und am selben Ort haben junge grün- intellektuelle Frauendie mit Geranien ausgestatteten Bauernhäuser reizend und wunderbargefunden und begonnen, sich virtuell in ihnen einzurichten und sie zubeziehen. In Rumänien stand eine ältere Frau vor ihrem wunderschö-nen spätbarocken Vorstadthaus inmitten eines blühenden Gartens undbedauerte, nicht in einem der modernen Hochhäuser zu wohnen; siebeklagte, daß Ceaucescu nicht mehr dazugekommen sei, auch sie miteiner komfortablen Wohnung im Hochhaus zu versorgen. Und es ist-als ein letztes Beispiel- daran zu erinnern, daß die Wohnhäuser derJahrhundertwende, oft schlecht und billig gebaut, dem reinsten kapi-talistischen Kalkül von Bauunternehmern und Spekulanten folgend,heute- darauf hat Hans- Friedrich Geist aufmerksam gemacht- alszutiefst humane, leidenschaftlich gepriesene, gesuchte und hoch be-zahlte Architektur gelten. Maßstäbe und Blicke können sich ändern.
4. Eine andere Welt?
Die DDR war auch die Welt einer ausdrücklich und gewollt anderenSprache, die Welt der ,, Sättigungsbeilage", der ,, Plaste und Elaste ausSchkopau", wie die Reklame auf den Brücken der Transitstreckemitteilte, von ,, Broiler“, dem Hähnchen, und der„, Grilletta“, einerMischung aus Hamburger und Frikadelle( Fleisch- Laberl,-Pflanzl,-Küchle). Es war ein Land, in dem die Bockwurst 39 Pfennige kostete,die Welt einer Gaststättenkultur, in der man im ,, Gastmahl des Mee-res“ vom Ober ,, plaziert“ wurde, eine Welt, in der das Kollektiv in