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Konrad Köstlin
ÖZV LIV/ 103
thentizitätsfetischismus interpretieren.4 Der nämlich sucht sich aufdiese Weise einer Kritik zu entziehen, die meint, das bisherige Ver-fahren der Präsentation des Wohnens in Volkskundemuseen als Idea-lisierung des Historischen geißeln zu können. Die Idylle stellt sichfreilich auch beim sogenannt Authentischen ein. Und damit ist sienicht mehr nur ein Problem der Präsentation, sondern auch der Prä-disposition der Besucher und Besucherinnen. Denn natürlich sindWohnen und Inventar in Volkskunde- Museen immer schon ausge-stellt, sind Stuben und Küchen nachgebaut worden. Und ihre Versteh-barkeit, Durchschaubarkeit und ihre Wiederentdeckung in den ver-schiedenen heimeligen Retro- Stilen seit dem Ende des 19. Jahrhun-derts hat den bürgerlich geprägten Blick auch ohne verklärendesZutun der Museologen in eine prästabilierte Harmonie gewiesen.
Gerade am Beispiel des Wohnens ist darüber unter dem Stichwortder Ganzheitlichkeit, das Adelhart Zippelius als Chance des Freilicht-museums im Umlauf gebracht hat, über zwei Jahrzehnte debattiertworden. Hier in der Laudongasse, in der Dauerausstellung des Hau-ses, läßt sich- glücklicherweise, ohne daß ein Versuch zur Ganzheit-lichkeit unternommen worden wäre eines erkennen: Das Wohnenwird zur Gegenwart hin immer weniger öffentlich und konventionell,immer weniger regional bestimmbar – und damit zugleich auch im-mer persönlicher und individueller. Man denke etwa( um beide Trendszusammen zu sehen) an die Zurschaustellung persönlicher Erinnerungs-stücke und Souvenirs und an die auf dem Fließband hergestellten Fa-brikmöbel, auf denen oder in denen sie positioniert sind.
Wohnen in der Moderne wird und das ist die andere Seitedeutlich hochpolitisch traktiert: ,, Wohnbau mit Gesinnung“, mit die-sem Motto war etwa die Ausstellung ,, Wohnen in Wien" anno 1987überschrieben. Das ist nicht mehr die oberschichtliche Repräsenta-tion, jene repräsentative Form, in der Lebensstil und Herrschaftsformmiteinander korrespondiert haben: das ist verordnete Gesinnung, diesich wie weiland John Ruskin vornimmt, die Menschen über denUmweg des Ästhetischen zu verbessern. Stellt man das Wohnen imMuseum aus, dann versucht man einerseits, das Private zu dokumen-tieren, hat aber zugleich immer die Gesellschaft im Blick: Die Größeder Wohnung und die Zahl der Räume etwa zeigt, wie sich die4 Das Freilichtmuseum Kommern etwa hat sich gleich nach der Wende eine Wohnaus-stattung gesichert, und 1999 ist das Bild eines Studenten durch die Presse gegangen,der seine gesamte Habe einem Volkskundemuseum überlassen hat.