Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
143
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2000, Heft 1

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weißfotos, die, versehen mit einer kurzen Bildlegende, die Geschichte desHeldenplatzes in den letzten 150 Jahren dokumentieren: Wie dieser in denpolitischen Inszenierungen der Habsburger Monarchie, des Nationalsozia-lismus, der Zweiten Republik zur Bühne wurde. Auf die spezifische Auswahlder Fotos- sie stammen aus der Sammlung der Österreichischen National-bibliothek- wird nicht näher eingegangen. Der dem Fototeil vorangestellteEssay des Historikers Herbert Haupt beschränkt sich auf eine knappe Chro-nik der Ereignisse. Die spezifische Rolle und Karriere dieses, so JörgMauthe: ,, absurden Platzes" in der Geschichte der Konstruktion( en) öster-reichischer Identität bleiben weitgehend unterbelichtet.( KL)

HONOLKA, Harro, Irene GÖTZ: Deutsche Identität und das Zusammen-leben mit Fremden. Fallanalysen. Opladen, Westdeutscher Verlag, 1999, 265Seiten.

Verhandlungen über den Umgang der Deutschen mit Fremden finden sichallenthalben in den Kommentaren eines aufklärerisch- kritischen Journalis-mus. Mit repräsentativen Umfragen zu nationalistischen Haltungen inDeutschland ist man zumal dann schnell zur Hand, wenn es gilt, Überfälleund Angriffe auf Ausländer zu erklären. Nationalbewusstsein wird dannoftmals gleichgesetzt mit Ausländerfeindlichkeit. Diesem Kurzschluss ver-sucht die vorliegende Studie, der Abschlussbericht zu einem durch dieVolkswagen- Stiftung geförderten Forschungsprojekt, entgegenzuwirken.

In ihren Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen nationalerIdentität und individueller Wahrnehmung von Fremden bedienen sich HarroHonolka und Irene Götz der qualitativen Methodik von lebensgeschichtli-chen Befragungen. Eine Auswahl von 21( insgesamt waren es 40) Fallpor-traits ist im zweiten Teil des Buches zusammengestellt; in den einzelnenPortraits wird ausführlich auf die jeweilige Lebensgeschichte wie auch aufdie Befragungssituation Bezug genommen. So selbst- wie methodenkritischbetonen die beiden Autoren den explorativen Charakter ihres Vorgehens.Doch zeichnen sich spätestens in der Lektüre der Fallportraits die Vorteileoffener gegenüber standardisierter Befragung ab. Da den Befragten mehrRaum und Freiheit für ihre Erzählung gelassen wird, sind es nicht nurschnelle Statements, die abgegeben werden, auch Gleichzeitigkeiten undAmbivalenzen in der individuellen Auseinandersetzung mit Thema undöffentlicher Diskussion werden deutlich.

Die beiden Autoren sprechen in ihrer Zusammenschau der Ergebnisse vonden ,, gemischten Gefühlen", wie sie die Einstellungen Deutscher gegenüber