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ÖZV LIV/ 103
te ,, neue Unübersichtlichkeit“ der letzten Jahre miteinzubeziehen. Als Cha-rakteristikum des 20. Jahrhunderts nennen die Herausgeber Vielschichtig-keit und Unbestimmtheit: nicht eine Entwicklung, sondern immer auch ihrGegenteil charakterisieren das 20. Jahrhundert, das nur schwer auf eineFormel zu bringen ist und von Eric Hobsbawm als Zeitalter der Extremebezeichnet wurde.( SB)
KEIM, Gerhard: Magic Moments. Ethnographische Gänge in die Kon-sumwelt. Frankfurt am Main-- New York, Campus Verlag, 1999, 306 Seiten,einige s/ w- Abb.
Die vorliegende Studie beschäftigt sich am Beispiel des traditionsreichenStuttgarter Kaufhauses Breuninger mit der zeitgenössischen Einkaufskultur.Aus der Sicht des Empirischen Kulturwissenschaftlers- die Arbeit entstandals Tübinger Dissertation- erkundet Keim ein Terrain, das von volkskund-lich- kulturwissenschaftlicher Seite her bislang wenig erforscht wurde, wes-halb der Autor seine Untersuchung in mehrfacher Hinsicht als Pionierarbeitversteht und ihr explorativen Charakter zuschreibt.
Das Buch beginnt mit einer ausführlichen Beschreibung des KaufhausesBreuninger, einer ,, Ortsbeschreibung für Unkundige“. Dann folgt ein Kapi-tel zum theoretisch- methodischen Bezugsrahmen der Arbeit, in dem es umForschungsdesign, methodische Konzeption, Quellenkritik und For-schungspraxis sowie um die Kategorien Konsum, Alltagshandeln und Raumgeht. Das Hauptkapitel widmet sich dem Kaufhaus Breuninger. Hier wirddas Kaufhaus als Museum und als Theater betrachtet. Themen sind u.a.:Anweisungen zur Anschauung und Handhabung der Waren im Kaufhaus,Schaufenster, Preis- Gestaltung, Ästhetik des Günstigen, Musikberieselung,Kunden und Verkäufer, Inszenierung von Öffentlichkeit und Images vonWaren. Ein kurzes Kapitel über die„ Zwischenräume des Kaufhauses“schließt die Untersuchung ab.
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Im Mittelpunkt der Arbeit steht das Einkaufserlebnis als alltagspraktischeAneignung und Nutzung von Räumen. Aus der Mikrosicht eines begrenztenUntersuchungsfeldes analysiert Keim entlang der Frage, wie Waren undMenschen zueinander finden das Verhältnis zwischen konsumräumlichenStrukturen und ihren Nutzungen, er erfasst und beschreibt die Feinheiten eineralltäglichen ,, Kunst des Handelns". Um die ,, flüchtige Alltagswelt des Kon-sums im Spannungsfeld zwischen dem Raum und seiner praktischen Nutzung"( S. 11) ethnografisch zu erfassen, kombiniert Keim qualitative Interviews mitKaufhauskunden und Experten, teilnehmende Beobachtung und beobachtendeTeilnahme, mental maps und Introspektion miteinander.( SB)