Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
139
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2000, Heft 1

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FREVERT, Ute, Heinz- Gerhard HAUPT( Hg.): Der Mensch des 20.Jahrhunderts. Frankfurt/ M., New York, Campus Verlag, 1999, 386 Seiten.

Dieser vorwiegend von Historikern und Historikerinnen verfasste Sammel-band portraitiert 14,, Sozialtypen( welche sicher auch als ,, Kulturtypen zubezeichnen wären), die das 20. Jahrhundert kennzeichnen: der Arbeiter( Richard Bessel), die Hausfrau( Merith Niehuss), der Star( Ricarda Strobel),der Sportler( Christiane Eisenberg), der Tourist( Hasso Spode), der Journa-list( Jörg Requate), der Wissenschaftler( Rudolf Stichweh), der Intellektuel-le( Dietz Bering), die Jugendlichen( Christina Benninghaus), die Rentnerin-nen und Rentner( Christoph Conrad), der Funktionär( Thomas Mergel), derKonsument( Heinz- Gerhard Haupt), Menschen im therapeutischen Netz( Peter Gay) und der Soldat( Thomas Kühne)- geplant war auch ein Beitragüber die Suffragette, der jedoch nicht rechtzeitig fertig wurde. Der Auswahldieser Figuren liegt die Hypothese zu Grunde, dass im Unterschied zum 19.Jahrhundert nicht mehr allein die sozio- ökonomischen Positionen Lebens-lagen und Lebensperspektiven von Individuen bestimmen, sondern auchandere Faktoren der Selbst- und Fremdzuordnung wichtig werden. MitMassenkultur, Verwissenschaftlichung, Individualisierung, Konsumorien-tierung und Bürokratisierung entstanden neue gesellschaftliche Gruppen, fürdie weniger die soziale Herkunft als die berufliche Funktion prägend ist.Dabei ist das ausgehende 20. Jahrhundert durch eine zunehmende Pluralitätvon Lebensstilen charakterisiert, was einen wesentlichen Unterschied zurSituation zu Beginn des Jahrhunderts bedeutet.

Den in sich abgeschlossenen und v.a. Westeuropa fokussierenden Beiträ-gen zu den oben genannten Sozialtypen ist ein einleitendes Kapitel voran-gestellt, in dem in einem Überblick wesentliche Entwicklungen und Prozes-se des 20. Jahrunderts nachgezeichnet werden und die Frage der Periodisie-rung zur Sprache kommt. Während vom ,, langen 19. Jahrhundert gespro-chen wird, gilt das 20. als, kurzes Jahrhundert, zumindest wenn diepolitische Ebene die Periodisierung bestimmt: Sein Beginn wird mit derbolschewistischen Oktoberrevolution 1917 angesetzt, sein Ende mit demZusammenbruch des sowjetischen Herrschaftsblocks und dem Fall der Ber-liner Mauer 1989. Stehen langfristige gesellschaftliche und mentale Verän-derungen als Bezugsgrößen im Mittelpunkt, so ist es laut Frevert und Hauptsinnvoller, das 20. Jahrhundert schon in den Achtzigerjahren des 19. Jahr-hunderts mit dem Aufkommen der Massengesellschaft beginnen zu lassenund bereits in den Sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts eine Phase inten-siver Veränderungen anzusetzen sowie die von Jürgen Habermas so genann-