Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
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2000, Heft 1

Literatur der Volkskunde

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Tanzlust: empirische Untersuchungen zu Formen alltäglichen Tanzver-gnügens. Projektgruppe, Tanzen' am Ludwig- Uhland- Institut für Empiri-sche Kulturwissenschaft der Universität Tübingen. Projektleitung: UteBechdolf. Tübingen, Tübinger Vereinigung für Volkskunde, 1998. 229 Seiten.

Unter dem Schlagwort, Tanzlust' ist eine Gruppe von Tübinger Studentenin einer dreisemestrigen Projektarbeit dem Phänomen des alltäglichen Tan-zens- vorwiegend in der näheren Umgebung, also im städtischen Milieu-nachgegangen. Das Ergebnis war eine respektable Ausstellung mit Film,sowie ein Buch, bereichert durch einige Gastautoren. Die Forscher warenihrer Aussage nach zunächst überrascht, wie vielen Leuten das Tanzen Spaẞmacht, ob nun die Freude an sportlicher Betätigung dahinter steht, dieintensivierte Wahrnehmung des eigenen Körpers, die Verlockung erotischerBewegungen, die Erfahrung von Transzendenz und Spiritualität. Tanz würdevon vielen heute als Gegenwelt erlebt, heißt es in der Einleitung von UteBechdolf und Monique Scheer. Gefragt wurde von der Forschergruppe nachden ,, tieferliegenden Sinnkonstruktionen und Deutungsmustern, die denSpaß untermauern und ihm je nach Tanzform seine spezifischen Konturenverleihen." ,, Dem, Wesen des Tanzes'( so es dieses geben sollte) wollen wiruns nicht nähern, sondern seiner Funktion im Leben der Tanzenden und denkollektiv konstruierten Deutungsmustern, die sich um diese beliebte Frei-zeitaktivität ranken. Tanzen wird hier als eine rhythmisch geregelte Bewe-gung zur Musik betrachtet, eine kulturelle Praxis, die gegenwärtig von einemGroßteil der Bevölkerung zumindest sporadisch- in ihrer Freizeit betrie-ben wird und somit von sozialen Verhältnissen sowie kollektiven Musternund Werten abhängig ist.( S. 110) Im Blick waren Freizeitvergnügen undUnterhaltungskultur, weshalb u.a. der professionelle Bühnentanz und andereShow- Tänze nicht Gegenstand dieser Untersuchung waren. Was blieb, wargenug. Gearbeitet wurde mit Methoden der empirischen Sozialforschungwie Fragebögen, Kurzbefragungen, Tiefeninterviews und teilnehmendenBeobachtungen. Die Beiträge im Einzelnen behandeln das Tanzcafé, Auffor-derungsrituale und Körperlichkeit im Paartanz, oral history- Notizen einertanzenden Seniorin( Gaby Reichel, Monika Sauer), Männer im Konflikt mitder Tanzlust( Michael Marek), die Vermittlung von Kindertänzen( EllenStaudenmaier, Steffen Walz), Nachforschungen einer Bühnentanzpädagoginzur Motivation von Freizeit- BühnentänzerInnen( E. Hollister Mathis) ,, Steh-blues- Parties( ,, Der Stehblues ist eine rhythmische Form der Umarmung";Ulrich Hägele), die Vermittlung exotischer Glossar ::: zum Glossareintrag  exotischer Tänze von Salsa bis Tango inTübingen( Ivonne Launhardt, Martina Schuster, Tanja Wedel), Bauchtanzbei deutschen Frauen( Monique Scheer), Volkstanzgruppen im Raum Tübin-gen und bei Deutschen in Südbrasilien( Sabine Kiefer), die Vermittlung