Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
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2000, Heft 1

Literatur der Volkskunde

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AVDIKOS, Evangelos: Από τη Μαρίτσα στον Έβρο. Πολιτισμικέςσυγκλίσεις και αποκλίσεις, σε μια παρέβρια περιοχή[ Von Maritsa zumEbros. Kulturelle Übereinstimmungen und Differenzen im Ebros- Becken inGriechisch- Thrakien]. Alexandropuli, Gemeinde Tycheros, 1998, 311 Sei-ten, zahlreiche Abb. auf Taf. und im Text, Karten.

Der Verfasser ist 1991 erstmals mit einer Monografie über die Stadt Preveza inWestgriechenland hervorgetreten( vgl. meine Besprechung in ÖZV XLVI/ 95,1992, S. 565–568); seine neue Fallstudie führt uns in den äußersten OstenGriechenlands, in das Ebros- Becken an der Grenze zur europäischen Türkei,ehemals Ost- Thrakien. Die Bewohner des Dorfes Tycheros und der SiedlungPhylakto- die Gemeinde hat diese äußerst gefällig aufgemachte Monografie,auf ockerfarbigem Papier mit braunem Buchstabensatz, finanziert, womit sichSelbstdarstellung und wissenschaftliche Feldstudie auf das glücklichste verbin-den-sind Flüchtlinge aus diesem Raum; die Bewohner von Phylakto sindOstthrakier, die Einwohner von Tychero Arvaniten( albanisch sprechende Thra-kier) vom gegenüberliegenden Flussufer, die nach dem Bevölkerungsaustauschvon 1922 in den ehemals türkischen Dörfern angesiedelt wurden. Der Titel derUntersuchung ist symbolisch: Maritsa ist der bulgarische Name des Ebros- Flus-ses; der Wechsel von einem Ufer auf das andere, seit 1922 Grenzfluss zwischenGriechenland und der Türkei, bedeutete für die Bewohner letztlich eine Wan-derung vom Osten nach dem Westen. Avdikos untersucht die beiden unter-schiedlichen Gemeinden, die heute zusammengelegt sind, im Zeitraum von1922 bis 1998 und verwendet mit großem Geschick, wie schon in seinerMonografie über Preveza, alle nur möglichen Quellen in Verbindung mit selbstaufgenommenen Tiefeninterviews. In einer Kombination verschiedener Metho-den, historischen, humangeografischen, volkskundlichen, soziologischen, kul-turanthropologischen zeichnet er ein vielschichtiges Bild einer Kommunität inihrer historischen Entwicklung in einem problematischen Grenzgebiet nach, daszu den eher vernachlässigten Zonen Griechenlands zählt, in dem sich diehistorischen Kulturlinien aber mehrfach überschneiden.

Auf die Einleitung( S. 9 ff.), die auch die Vorgeschichte dieser Arbeitaufrollt, folgen zwei Hauptkapitel: das Erste zeichnet die historische undkulturhistorische Entwicklung der Kommunität nach, das Zweite ist ehervolkskundlich orientiert und geht auch detailliert auf die gegenwärtigeRegionalidentität ein. Die Studie hebt mit einer Analyse des thrakischenRaumes an und fährt mit der Geschichte der beiden Dörfer fort( S. 23 ff.):der Aussiedlung und Neuansiedlung( S. 30 ff.), die Errichtung des Fluss-walls in den Fünfzigerjahren( S. 40 ff.), die den Getreideanbau erlaubte, unddie Geschichte des Dorfes in zwei Epochen gliedert: die Zeit des Maisbrotesund die Zeit des Getreidebrotes. All dies ist in einer kunstvollen Weise