Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LIV/ 103

gehört: von den biologisch- naturräumlichen Gegebenheiten wird ebensogehandelt wie von den ökonomischen Möglichkeiten und Zwängen, derLebenswelt der Akteure und den geistig- ideologischen Sublimierungen undIndienstnahmen. Da es sich durchwegs um Erstlingsarbeiten im Rahmeneines Studienprojektes handelt, wird man wohl die Ansprüche auf wissen-schaftliche Fragestellung und konsequente Durchführung nicht zu hochstellen dürfen( in dieser Hinsicht sehe ich bei etlichen Aufsätzen Mängel),vor allem da offensichtlich in der Regel Kurzfassungen von an und für sichlängeren Abhandlungen vorliegen. Viel entscheidender ist die systematischeDurchdringung eines komplexen ethnografischen Themas, die Einübungeines Analyseverfahrens, das zu den unverzichtbaren Arbeitsweisen unseresFaches gehört. Wer die Publikation unter diesem Aspekt zur Hand nimmt,wird nicht nur belohnt durch die Kenntnis einer Reihe interessanter Detailszum Leben der Bienen und deren ,, Väter", sondern auch durch ein Mustervolkskundlicher Grundlagenarbeit.

Walter Hartinger

GEFU- MADIANU, Dimitra( Ed.): AvеpшñоλоуiкÝ Oɛwpíα кαι Evo-γραφία. Σύγχρονες τάσεις[ Anthropologische Theorie und Ethnografie.Rezente Tendenzen]. Athen, Hellenika Grammata, 1998, 672 Seiten, ISBN960-344-613-0.

Der umfangreiche Band ist aus einem Seminar an der Panteios- Hochschulefür Politikwissenschaften in Athen unter internationaler Beteiligung hervor-gegangen und gibt einen Überblick über die Tendenzen der Achtzigerjahrein der New Anthropology, wie sie sich vor allem in Amerika entwickelt hat.Hauptmerkmale dieser keineswegs unwidersprochenen Richtung sind dieAbkehr von kulturholistischen Theorien, das Aufgeben der Ziele objektiverund wertfreier Beobachtung, von Arbeitsbegriffen wie Struktur und Funkti-on, der Zweifel an der Beschreibbarkeit von ,,' Wirklichkeit( das Beschrie-bene ist ein Text über die Wirklichkeit), das Einbringen des Beobachter- Ichs( westlicher Provenienz) in das Beobachtete, Klärung der politischen Zieleder Beobachtung( uneingestandener Kolonialismus, Überlegenheit westli-cher Kultur), Selbstbeschränkung auf die Beschreibung von Interaktionspro-zessen zwischen Beobachtendem und Beobachteten, die Abklärung der Zieleder ethnologischen Tätigkeit( warum, für wen, wozu), die in eine Kulturkri-tik münden soll. Diese Literarisierung und Reduzierung der ,, einfühlendenBeobachtung" der Feldforschung auf emotionelle und reflektorische Innen-Protokolle der untersuchenden Instanz hat vielfach zu interessanten Arbeiten