Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
121
Einzelbild herunterladen
 

2000, Heft 1

Literatur der Volkskunde

121

sich in der Beantwortung solcher Fragen nicht wirklich fest, sondern lässtvieles offen. Obwohl der Verdacht immer wieder aufkommt, wäre es falsch,dem Autor einfach plumpen Biologismus zu unterstellen. Seine Studie zeigtgerade auch jene fatalen Folgen auf, die aus Körpervorstellungen resultier-ten, in denen ein Zusammenhang zwischen Körperform und Charakter,zwischen der Schönheit bzw. Hässlichkeit des Körpers und dem gesell-schaftlichen Wert des Menschen hergestellt wurde und die zu Eugenik,Rassenhygiene und Vernichtung ,, schlechten Erbmaterials" geführt haben.

Kleidung versteht Hersey als, Geschlechtskartographie, sie bedeckeden Körper mit einer Kartografie der Geschlechtsorgane, in dem diese durchdie Kleidung besonders betont werden. Damit knüpft er an eine Tradition inder Beschäftigung mit Mode und Schönheit an, in der die Bedeutung vonKleidung und Körpergestaltung etwas einseitig auf die Hervorhebung derprimären und sekundären Geschlechtsmerkmale reduziert wird. Anders alsin den Cultural Studies und Gender Studies, in denen die Konstruktion vonGeschlecht bzw. von Männlichkeit und Weiblichkeit durch Kleidung undKörpergestaltung gerade in ihrer Komplexität und in ihren unterschiedlich-sten kulturellen Bedeutungen untersucht wird, scheint Hersey den ge-schlechtlichen Aspekt von Kleidung und Schönheit v.a. im Kontext derFortpflanzung zu sehen, zumindest begibt er sich mit seinen Ausführungenin die Nähe solcher nicht unproblematischer Argumentationsmuster.

Susanne Breuss

HEIDRICH, Hermann: Frauenwelten: Arbeit, Leben, Politik und Per-spektiven auf dem Land.(= Arbeit und Leben auf dem Lande, 7). BadWindsheim, Verlag Fränkisches Freilandmuseum, 1999, 390 Seiten.

Nachdem sich bislang die kulturwissenschaftliche Reihe des ,, Ausstellungs-verbundes der Technik- und Agrargeschichte widmete, geht es im neuestenBand der Reihe ,, Arbeit und Leben auf dem Lande um, Frauenwelten.Damit ist das Programm des Sammelbandes, der eine gleichnamige Ausstel-lung begleitete,- zumindest teilweise- umrissen. Arbeit steht an ersterStelle, man konzentriert sich auf rurale Gebiete; Frauenwelten scheinenetwas anderes, gesondert zu Behandelndes zu sein, etwas, das im Bisherigen,also im Technik- und Agrargeschichtlichen, nicht selbstverständlich inbe-griffen war. Wenn in der Einleitung der Herausgeber Hermann Heidrichformuliert, dass, ergänzend zur Ausrichtung der früheren Bände, es nunentschieden um Alltagsgeschichtliches zu tun sei, könnte das heißen, dasszudem Technisches und Agrarisches hier getrennt vom Alltag gesehen wor-