2000, Heft 1
Literatur der Volkskunde
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gar ,, dunkle Kontinente". Den Bürgern erschien dieses andere Wien bedroh-lich ,,, voller Unwägbarkeiten und Unsicherheiten, das der Domestizierungund Zivilisierung durch das Zentrum bedarf". Doch Prostitution wie Protest( z.B. die Hungerrevolte in Ottakring 1911) liessen sich nicht so leicht unterpolizeiliche Kontrolle bringen. Die komplizierte Entwicklung mündet in die,, Transgression des Popularen“, personifiziert durch Karl Lueger und FranzSchuhmeier.
Helga Maria Wolf
HALWACHS, Dieter W., Florian MENZ( Hg.): Die Sprache der Roma.Perspektiven der Romani- Forschung in Österreich im interdisziplinären undinternationalen Kontext. Klagenfurt, Drava, 1999, 392 Seiten.
Wie schon der Titel sagt, steht bei diesem Werk die Sprachwissenschaft imVordergrund. Es sind hier die Ergebnisse eines internationalen Symposiumspubliziert worden, das im November 1997 in Österreich stattfand. Allerdingswird die im Untertitel angesprochene Interdisziplinarität sehr deutlich, wes-halb das Werk sowohl ethnologisch, historisch als auch musikwissenschaft-lich äußerst interessant ist. Es existiert in Österreich eine intensive interdis-ziplinäre Zusammenarbeit jener Wissenschafter, die sich mit Romathemenbeschäftigen( HistorikerInnen, VolkskundlerInnen, SoziologInnen, Ethno-musikologInnen, PolitikwissenschaftlerInnen). Es ist ein kleiner Kreis ,, Ein-geweihter", die fast alle früher oder später bei der zentralen Persönlichkeitder österreichischen Romaforschung, nämlich Mozes F. Heinschink, Roma-nes gelernt haben. Denn Romanes ist nicht bloß weltweites Verständigungs-mittel der Roma, existent in vielen verschiedenen Varianten, sondern auchAusdruck von Lebenseinstellungen, Wertvorstellungen und Ausdruck vonIdentität. Deshalb nützten EthnologInnen, SprachwissenschaftlerInnen,PsychologInnen, PolitikwissenschaflterInnen, PädagogInnen und Ethnomu-sikologInnen die Gelegenheit, sich von Mozes F. Heinschink in die Grund-lagen des Romanes einführen zu lassen. Einige von ihnen sind in diesemBand mit Beiträgen vertreten, allerdings wurde der Kreis wesentlich durchinternationale Ansätze erweitert.
Die Sprache ist der Ausgangspunkt des Buches und so sind die sprach-wissenschaftlichen Beiträge auch zahlreich. Man bekommt ein sehr umfas-sendes und fundiertes Bild vom gegenwärtigen Stand der internationalen,, Romani- Forschung", eine Bezeichnung für die wissenschaftliche Ausein-andersetzung mit der Sprache der Roma. Zwei Beiträge sind bestimmtenVariantengruppen des Romanes gewidmet( von Viktor Elšik, Milena