2000, Heft 1
Mitteilungen
Heimatfilme- eine volkskundliche Sehanleitung
Oder: Die kulturellen ,, Volkswaisen“ im sanften Prozess des,, making Austrians"*
Reinhard Johler
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Bei seiner Premiere 1998 ist Stefan Ruzowitzkys Kinofilm ,, Die Siebtelbau-ern" von der Kritik und vom Publikum ausgesprochen positiv aufgenommenworden. Doch in allen Besprechungen war auch eine gewisse Unentschlos-senheit nicht zu überlesen: Die gezeigte ,, ländlich- artifizielle neue Tragiko-mödie"- so etwa ein ,, Presse"-Rezensent- sei ,, Bauernkrimi“ und„, reno-vierter Heimatfilm" gleichermaßen. Doch dieser ,, Versuch, Österreichs Hei-matfilm vor der Karikatur zu retten" drohe trotzdem hin und wieder stili-stisch( und manchmal auch inhaltlich) in„ Heimatfilmkunst“ abzufallen.Und ähnlich unentschieden gab sich auch ein Redakteur einer hiesigenFernsehzeitschrift anlässlich der Erstausstrahlung des Films 1999 im Sams-taghauptabendprogramm: ,, Die Siebtelbauern" sei ein ,, neuer Heimatfilm"oder ein ,, Anti- Heimatfilm"- auf alle Fälle aber schwer ,, einzuordnen“: ,, Istder im oberösterreichischen Mühlviertel gedrehte Streifen die Wiedergeburtdes Heimatfilms seligen Angedenkens, eröffnet er als, Alpin- Western' einneues Genre oder erzählt er im Grunde nur( weitschweifig) die( Dorf-) Kri-mi- Story eines geheimnisvollen, erst ganz zuletzt aufgeklärten Rachemor-des?" 1
Der Regisseur wollte zur Klärung dieser Ungewissheit nicht beitragen.Volkskundler sind nicht gefragt worden- und wenn: Was hätten sie ange-sichts des scheinbar willkürlich nebeneinander gezeigten Angebots von,, Heimatfilm" und ,, Anti- Heimatfilm" auch sagen können?
1. Ein interesseloses Wohlgefallen
Der österreichische Heimatfilm verdient, zumindest wissenschaftlich, nurmehr eines: interesseloses Wohlgefallen. Denn was zu kritisieren war, istlängst schon- und wohl auch ein wenig dem Genre angepasst – in stereoty-pen Sprachbildern abgespult: Künstlerisch kaum anspruchsvoll und hand-werklich bieder gestaltet, bot der Heimatfilm einem Massenpublikum einvolkstümlich gehaltenes, doch ideologisch verfängliches Heilsoffert mitsicherem Ausgang- ein farbenfroh harmonisches Sanierungsangebot eben,das der aufgehetzten ,, österreichischen Volksseele“ Ruhe von einer belaste-