Aufsatz in einer Zeitschrift 
Zur Typologie der Breverl : über ein in St. Gallen 1996 aufgefundenes Exemplar
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2000, Heft 1

Mitteilungen

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gefaltet gewesen sein, nicht nur sieben- oder dreimal. Sie enthielten Täsch-chen mit geweihten Kräutern und Wachs. Alles gut verpackt in Karton oderStoff. Was ich angetroffen habe, waren einfachere Schutzbriefe, auch gefal-tet, aber ganz einfach. Sie enthalten das St. Johannes- Evangelium, denDreikönigssegen, den Zacharias- und Tobiassegen, den Franziskus- undJakobssegen, den Segen des Hl. Ignatius( bei Geburten), den Michaels- undSt. Georgs- Segen und den wichtigen St. Benediktussegen. Oft sind ja Gebetezu mehreren Heiligen auf dem gleichen Papier. Dann folgte die( im

Sarganserland des frühen 20. Jahrhunderts) wichtigste Gruppe, die man inFlums, Püntschäli nannte. Kleine, ca. 4 x 4 cm messende, Kissen' mitunbestimmtem Inhalt. Man durfte sie nicht öffnen. Sie kamen wohl aus denFrauenklöstern, aber auch von Mels, von den Kapuzinern, waren mehr oderweniger aufwendig bestickt und sollen Gebetszettel, Berührungsreliquien,Wachs und Kräuter enthalten haben, das, was man, Gsägnets' nennt. Mananvertraute sich den kleinen Kissen, weil sie gesegnet waren. Besondersgefragt waren sie für Kleinkinder, die Mühe hatten beim Zaanä odergeplagt wurden, also nachts nicht einschlafen wollten und übermäßig wein-ten. Schadenzauber und Krankheitsfälle.- Als sich Huldrych Zwingli 1519im alten Bad Pfäfers zur Kur aufhielt, übergab ihm ein Unbekannter einsolches, Püntschäli', das dem Reformator das Leben rettete, als er, nachZürich zurückgekehrt, an der Pest erkrankte( Sagen Bd. II, S. 104). Was imroten Säcklein war, verschweigt der Erzähler oder die Erzählerin. Ob Zwinglies dann, wie bei den Säuglingen üblich, auch zwischen den Spreusack unddas Kopfkissen legte, ist nicht bekannt. Aber davongekommen ist er ja. Essoll auch an einem Bändel getragen worden sein. Eine Weißtannerin warntemich noch letztes Frühjahr davor, weil ein kleines Kind so ersticken könne.Am Hals trugen die Kinder, ein paar Jahre älter geworden, Medaillen,Skapuliere, Agnus Dei und Rosenkränze. Sie hatten ja die gleiche Funktionwie das, Püntschäli'. Etwa die Benediktusmedaille mit den unverständlichenBuchstabenreihen. Nach dem Schulaustritt nähten die Mütter den Kinderndie Medaillen und Skapuliere unsichtbar in Hosen und Kittel. Schutzbrief-Charakter hatten schließlich auch die, Helgli' oder, Bildli', wenigstens einebestimmte Sorte. Die lagen in den Gebetsbüchern( als diese noch nicht vonden Kirchgemeinden gekauft wurden) und steckten in Täfer und Wändenund Deckenbalken der Schlafzimmer. In den Gesangsbüchern lagen sieneben dem dürren Edelweiß und dem vierblättrigen Kleeblatt. Wem mehrzugetraut wurde, den Gebeten und Liedern oder den geweihten Kräutern, istschwer zu sagen. Auch hier ging es letzlich um, Gsägnets"."

Das Brever ist so etwas wie eine geistliche Hausapotheke. Der Trägerdes Amulettes sollte damit Schutz genießen gegen Krankheiten aller Art,Naturereignisse, Hexen und Dämonen, kurz gegen alle Gefahren des Leibes