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Leopold Kretzenbacher
ÖZV LIV/ 103
Unglücklich über den ,, Mißerfolg“ seiner ihm von Gott aufgetra-genen Predigten zur Rettung der ,, sündigen" Stadt Ninive war Jonaszunächst nach Tharis und Joppe( heute Jaffa) und dort auf ein Schiffgeflüchtet. Während Jonas schläft, erhebt sich ein furchtbarer See-sturm. Die Mannschaft glaubt, sofort ein„, Opfer“ darbringen zumüssen. Das Los fällt auf Jonas. Man wirft ihn ins tobende Meer. DerSturm legt sich sofort. Jonas aber wird von einem ,, Walfisch" ver-schluckt. Nach der Septuaginta, der griechischen Übersetzung deshebräischen Alten Testamentes tò кĤτoç( to keetos), speit diesesMeeresungeheuer den Jonas nach drei Tagen und drei Nächten wiederaus. Der schwimmt an Land. So wird Jonas schon im Mittelalter zueiner praefiguratio Christi für Grabesruhe und Auferstehung Jesugenommen.5 Tief enttäuscht kehrt Jonas sterbensmüde an den nördli-chen Stadtrand von Ninive zurück. Dort erbaut er sich aus einemschnellwachsenden Gewächs eine ,, schattenspendende Hütte"( Jonas4,5f.). Nach der Septuaginta( 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr.),der griechischen Übersetzung des hebräischen Alten Testaments, istes eine σкηvý( skeenee), in deren Schatten er ausruht und schläft: ,, Ermachte sich dort ein Laubdach und setzte sich in seinen Schatten,abzuwarten, was mit der Stadt geschah." Dieses griechische σкηvýwird von Jonas nach der Septuaginta wieder mit кoloкúvông( kolo-kynthees) als etwas Schnellwachsendem zum grünen Schattendacherrichtet( Jonas 4,6). Es heißt: ,,... Da ließ Gott der Herr einenRizinusstrauch über Jona emporwachsen, der seinem Kopf Schattengeben und seinen Ärger vertreiben sollten..." Hier aber beginnen diesprachlich- sachlichen Schwierigkeiten, die sich bis in die Bilddar-stellungen des Jonas- Lebens nach seinem Freikommen aus dem Bau-che des Meeresungeheuers ,, Wal- Fisch“ ergeben sollten.
Das Wort коλoкúvŮηg( kolokynthees) wählten jene 70 oder 72( was eben nur heißt ,, viele, zahlreiche“) Gelehrten, die der ägyptischePharao Ptolemaios II.( Regierungsantritt 285 v. Chr.), der die Über-setzung der Heiligen Schriften des Judentums aus dem Hebräischenin die damalige Weltsprache Griechisch veranlaßt hatte, für das
5 Dazu besonders LCI, Band II, Sp. 419 f.: Klosterneuburger Altar des Nikolausvon Verdun, anno 1181; Abb. III/ 11 bei Röhrig, Floridus: Der Verduner Altar,Wien 1955, 5. Aufl. 1979, Jonas in ventre ceti. ,, Auferstehung“ als praefiguratioauf einem Tragaltar zu Brüssel, um 1150.
6 Nach der deutschen Einheitsübersetzung 1988( wie Anm. 3), S. 1140 f.
7 Zur Entstehung der Septuaginta vgl. Pauly, Wissowa, Kroll, Witte: Real- Enzy-